ArchivDeutsches Ärzteblatt9/2002„Schufa“-Klausel: Unbekannte Institution

VARIA: Wirtschaft

„Schufa“-Klausel: Unbekannte Institution

Dtsch Arztebl 2002; 99(9): A-582 / B-476 / C-447

Vetter, Michael

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Nur wenige wissen, was die „Schutzgemeinschaft für allgemeine Kreditsicherung“ speichert.

Hans-Peter L. aus dem Ruhrgebiet eröffnet ein Konto bei einer Bank. Sein Steuerberater hatte ihm diese Zweitbank vor allem wegen der höheren Transparenz bei Zinssätzen und Gebühren empfohlen. Mit der Kontoeröffnung beantragt L. einen Kontokorrentkredit in Höhe von 10 000 €. Wenige Tage nach der Kontoeröffnung erhält der Arzt einen Anruf seines Kundenberaters bei der Bank. Dieser hat eine Nachfrage zu einem Punkt in L’s „Schufa“-Auskunft: Dort gebe es einen Vermerk über einen Kredit in Höhe von 50 000 €, der als bisher nicht abbezahlt notiert sei, obwohl die eigentliche Kreditlaufzeit längst vorüber sein müsste.
Dem Kunden gelingt es zwar, das Missverständnis auszuräumen – seine Hausbank hatte es offenbar versäumt, der „Schufa“ die vollständige Kredittilgung zu melden –, sein Vertrauen in die Institution „Schufa“ erhält jedoch einen Dämpfer (obwohl diese für die unterlassene Kreditmeldung nicht verantwortlich war). L. wird klar, dass er nur wenig über die „Schufa“ und deren Arbeitsweise weiß. Solch Unkenntnis gibt es häufig: Nicht einmal jeder zweite kennt Einzelheiten der „Schufa“-Klausel.
Mehr als vierzig Millionen Bundesbürger sind in den Dateien der „Schutzgemeinschaft für allgemeine Kreditsicherung“, kurz „Schufa“, gespeichert. Bei Kreditinstituten ermächtigt der Kontoinhaber seine Bank zur Teilnahme am Geschäftsverkehr mit der „Schufa“ durch die Unterschrift auf dem Kontoeröffnungsantrag unter der „Schufa“-Klausel. Gesellschafter der „Schufa“ sind Banken, Sparkassen sowie Handelsunternehmen einschließlich des Versandhandels.
Aufgabe der Schufa ist es, diesem Gesellschafterkreis Informationen zu liefern, um sie vor Verlusten im Kreditgeschäft mit ihren Kunden zumindest weitgehend zu schützen. Gleichzeitig soll damit ebenfalls eine Überschuldung der jeweiligen Kunden verhindert werden. Dieses Ziel ist nur dann zu erreichen, wenn beispielsweise der Kreditsachbearbeiter eines Kreditinstitutes über die von seinem Kunden bisher in Anspruch genommenen Kredite durch die „Schufa“ auch Kenntnis erhält. Diesem Prinzip des Inforamtionsaustausches sind sämtliche Gesellschafter der Schufa verpflichtet. Aber: Nur wer selbst meldet, erhält auch Informationen. Der dazu erforderliche Informationsfluss unterliegt den Bestimmungen des Bundesdatenschutzgesetzes.
Zu den Daten, die von der „Schufa“ gespeichert und gemeldet werden, gehören neben Namen, Geburtstag und Anschrift der Person eine Anzahl von Details, die bei einer Kreditaufnahme wichtig sind. Dazu gehören Kredit- und Leasinghöhe, Laufzeit, Zahl der Kreditraten ebenso wie die Eröffnung eines Kontokorrentkontos oder die Ausgabe einer Kreditkarte. Aber auch negative Merkmale bleiben nicht verborgen: Kreditkündigungen wegen Zahlungsverzuges oder etwaige gesetzliche Zwangsmaßnahmen wie Kontopfändungen sowie Mahn- und Vollstreckungsbescheide werden ebenfalls gemeldet. Zahlen zum Einkommen oder zu Kontoguthaben werden dagegen nicht gespeichert. Die Löschung dieser Daten erfolgt beispielsweise bei Kredit- und Leasingfinanzierungen grundsätzlich drei Jahre nach der vollständigen Rückzahlung.
Wer wissen möchte, was die Schufa über ihn gespeichert hat, kann (gegen eine Gebühr in Höhe von 8 €) eine „Selbstauskunft“ einholen. Die Anschrift der jeweils zuständigen „Schufa“-Niederlassung ist der Hausbank des Kontoinhabers bekannt. Weitere Informationen gibt es im Internet: www.schufa.de. Michael Vetter
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