ArchivDeutsches Ärzteblatt9/2002Omeprazol-Generika; Unterschiede in der Freisetzungskinetik

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Omeprazol-Generika; Unterschiede in der Freisetzungskinetik

Dtsch Arztebl 2002; 99(9): A-585 / B-489 / C-464

Bischoff, Martin

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LNSLNS Omeprazol ist der erste Protonenpumpenhemmer (PPI) zur Behandlung magensäurebedingter Erkrankungen wie etwa peptischer Ulzera oder der Refluxösophagitis. Die Wirkung nach Umwandlung des Prodrugs in eine aktive Substanz beruht darauf, dass die Protonenpumpe, eine K+/H+-ATPase, gehemmt wird. Auf diese Weise lässt sich die Säuresekretion im Magen um 97 Prozent verringern und der pH-Wert deutlich anheben. Der Erfolg dieses PPIs lässt sich auch daran ablesen, dass dem Original-Präparat mittlerweile zwölf Generika auf den Markt gefolgt sind. Inwieweit die Präparate gleichwertig und damit austauschbar sind, war das Thema bei einer Pressekonferenz der Azupharma GmbH in München.
Mehrere Kriterien erforderlich
Prof. Henning Blume (Bad Homburg) nannte mehrere Kriterien, die für die Gleichwertigkeit von PPIs wesentlich sind. Der therapeutische Effekt wird demnach im Wesentlichen durch Magensaftresistenz und Bioverfügbarkeit bestimmt. Bei letzterer kommt es, insbesondere bei der Dauerbehandlung nicht so sehr auf die Geschwindigkeit der Freisetzung an. Wichtiger sei vielmehr die Gesamtmenge an verfügbarem Wirkstoff, so Blume.
In einer Studie auf Basis der europäischen Richtlinien wurden mehrere Omeprazol-Präparate hinsichtlich ihrer In-vitro-Freisetzung untersucht. Drei der Präparate werden als Kapseln (darunter Omeprazol Azu®) angeboten, ein weiteres als Tablette mit einem Multi-Pellet-System. Es stellte sich heraus, dass alle der geprüften Omeprazol-Fertigarzneimittel dem sauren Milieu im Magen standhalten und keinen Wirkstoff vorzeitig freisetzen. Verschiedene Chargen desselben Produktes sowie verschiedene Prüflinge innerhalb einer Charge waren in ihren pharmakologischen Eigenschaften gut vergleichbar, erklärte Dr. Peter Klaffenbach (Langenbach).
Unterschiede ergaben sich in der Freisetzungskinetik. Omeprazol Azu setzt ebenso wie ein anderes als Kapsel ausgebotenes Präparat den Wirkstoff sehr rasch, das heißt innerhalb von weniger als 20 Minuten, frei. Die anderen Präparate waren deutlich langsamer. Die Frage, wie diese In-vitro-Daten auf den klinischen Einsatz übertragen werden können, musste allerdings unbeantwortet bleiben.
Dr. Berndt R. Birkner (München) unterstrich die Überlegenheit des Protonenpumpenhemmers Omeprazol gegenüber H2-Blockern und Antazida bei wichtigen Erkrankungen im Gastrointestinaltrakt:
- Helicobacter pylori assoziierte Erkrankungen wie Ulkus duodeni, Ulkus ventrikuli oder MALT-Lymphom
- Säure-assoziierte Erkrankungen wie Refluxösophagitis, nicht-erosive Refluxerkrankung oder Stress-Läsionen
- NSAR-ASS assoziierte Erkrankungen wie Dyspepsie oder Ulkus.
Die Behandlung zielt darauf ab, Schmerzen, Sodbrennen und Dyspepsie rasch zu beseitigen. Daneben sollen vorhandene Läsionen geheilt werden. Birkner wies aber auch darauf hin, dass die funktionelle Dyspepsie nicht zur Indikation von Omeprazol zählt, unabhängig davon, ob es sich um das Original oder um ein Generikum handelt.
Martin Bischoff
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