ArchivDeutsches Ärzteblatt10/2002Interessen bei Sondenkost: Undurchsichtig

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Interessen bei Sondenkost: Undurchsichtig

Dtsch Arztebl 2002; 99(10): A-597 / B-485 / C-457

Richter, Eva A.

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LNSLNS Euthanasie werfen Hilfsorganisationen, wie etwa die Deutsche Hospiz Stiftung, dem Bundes­aus­schuss der Ärzte und Krankenkassen vor. Pflegebedürftige und Demenzkranke drohten zu verhungern, da die Verordnung von Sondennahrung deutlich eingeschränkt sei. In der Tat ist der Bundes­aus­schuss am 26. Februar mit der Neufassung der Arzneimittel-Richtlinien nicht allen Änderungsvorschlägen der zuvor gehörten Organisationen nachgekommen. Er präzisierte die Richtlinien, die nach § 31 SGB V regeln sollen, welche Krankenkost die gesetzlichen Krankenkassen zahlen müssen.
Statt „Mangelernährung“ und „konsumierende Erkrankungen“ generell als Indikationen für die Verordnung von Sondenkost aufzunehmen, definierte der Ausschuss den Begriff „konsumierende Erkrankungen“ als Erkrankungen mit Gewichtsverlust infolge kataboler Stoffwechsellage über mehrere Monate, die zu einem Bodymass-Index von weniger als 18,5 führen. Der Bundesauschuss ist nicht der Ansicht, dass mit Ballaststoffen angereicherte künstliche Nahrung Kassenleistung sein soll. Aktuelle Studien, die einen therapeutischen Nutzen nachwiesen, lägen nicht vor.
Dem widersprechen die Deutsche Morbus Crohn und Colitis ulcerosa Vereinigung sowie das Deutsche Institut für Ernährungsmedizin und Diätetik (D.I.E.T.). Sie fordern zumindest Festbeträge für ballaststoffhaltige Sondennahrungen. An die Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­terin appellierten sie, dem Richtlinienentwurf nicht zuzustimmen, sondern zu korrigieren. Hinter solchen Forderungen vermutet der Bundes­aus­schuss Interessen von Firmen. Der Markt auf diesem Sektor sei sehr lukrativ, kaum reguliert und undurchsichtig. Um ihre Ziele durchzusetzen, instrumentalisiere die Industrie Angehörigenverbände. Sven-David Müller, Sprecher des D.I.E.T., weist diese Vorwürfe zurück. Die Gemeinnützigkeit seines Instituts sei erst vor drei Monaten bestätigt worden. „Von den auf der Homepage aufgeführten Unternehmen bekommen wir nur Spenden“, versichert Müller. Die Industrie müsse allerdings auf ihre Aufgaben achten. Sie habe sich zu viel eingemischt.
Dass Unternehmen (Fresenius, Novartis und Nestle sind hier marktführend) versuchen, Verbände zu beeinflussen und für ihre Interessen einzusetzen, ist nicht auszuschließen. Handelt es sich doch um einen Markt von 500 Millionen € Umsatz jährlich. Die Grenzziehung zwischen Hilfeleistung und Eigeninteresse ist offensichtlich
bei solchen Summen manchmal schwierig. Dr. med. Eva A. Richter
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