ArchivDeutsches Ärzteblatt10/2002Diabetes-Prävention: Lebensstil effektiver als Medikamente

AKTUELL: Akut

Diabetes-Prävention: Lebensstil effektiver als Medikamente

Meyer, Rüdiger

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Menschen mit einer pathologischen Glucosetoleranz können durch eine mäßige Gewichtsreduktion und zweieinhalb Stunden Sport in der Woche eine Diabeteserkrankung zuverlässiger verhindern als durch die Behandlung mit Metformin. Dies ergab eine Multicenterstudie, die im New England Journal of Medicine (2002; 346: 393– 403) veröffentlicht wurde. Das Diabetes-Prevention-Program belegt erstmals, dass ein Typ-2-Diabetes-mellitus durch eine medikamentöse Therapie verhindert werden kann. Die Behandlung mit dem Biguanid Metformin (zuletzt 850 mg zweimal täglich) führte dazu, dass die Hochrisiko-Personen zu 31 Prozent seltener an Diabetes erkrankten. An der Studie hatten 3 234 Personen mit einem erhöhten Nüchternblutzucker (median 106 mg/dl) und einem erhöhten Blutzucker nach Glucosebelastung (median 165 mg/dl) teilgenommen. Die Mehrzahl war extrem übergewichtig mit einem mittleren Körpergewicht von 94 kg und einem Bodymass-Index von 34; sie hatten zu zwei Drittel eine positive Familienanamnese, und von den Frauen hatte jede Sechste bereits einen Schwangerschaftsdiabetes gehabt. Bei diesen Personen ist eine Diabeteserkrankung absehbar; im Placebo-Ast betrug die Inzidenz denn auch elf pro 100 Personen-Jahre (das war mehr, als die Autoren erwartet hatten). Unter der Metforminbehandlung sank die Inzidenz auf 7,8 pro 100 Personen-Jahre.

Die Studie sollte jedoch auch den Einfluss der Lebensstiländerung evaluieren. Das Diabetes-Prevention-Program schloss bewusst auch ethnische Gruppen mit einem besonders hohen Diabetesrisiko ein – wie Afroamerikaner, Hispanics, Asiaten und Indianer. In einem dritten Studienast erhielten die Teilnehmer kein Metformin, dafür aber eine intensive Lifestyle-Beratung. Sie wurden motiviert, sich kalorienreduziert und fettreduziert zu ernähren und wenigstens 150 Minuten pro Woche mäßig Sport zu treiben (beispielsweise schnelles Gehen). Etwa ein Drittel schaffte das Diätziel – Abnahme des Körpergewichts um sieben Prozent –, und 58 Prozent erfüllten ihr Sportpensum.

Trotz dieser hohen – und wohl auch zu erwartenden – Aussteigerrate war die intensive Lifestyle-Beratung wirksamer als die Metforminbehandlung, deren Compliance-Rate etwa 70 Prozent betrug. Die Diabetesinzidenz bei den Personen, die ihren Lebensstil im Rahmen der Studie änderten, sank um 58 Prozent auf 4,8 Fälle pro 100 Personen-Jahre. Der Unterschied zur Metformin-Gruppe war statistisch signifikant. Rüdiger Meyer
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema