ArchivDeutsches Ärzteblatt10/2002Reproduktionsmedizin - Zwischen Trauma und Tabu: Täter-Opfer-Szenario
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LNSLNS Sicherlich ist es wichtig, die seelischen und körperlichen Belastungen einer Kinderwunschbehandlung offen zu benennen. Der Beitrag von Frau Telus scheint mir allerdings eher ein Täter-Opfer-Szenario zu entwerfen. Es wird der Eindruck vermittelt, der Frauenkörper werde von den Reproduktionsmedizinern ausgebeutet. Dem ist entgegenzuhalten, dass die Frauen freiwillig nach einer in der Regel umfassenden Aufklärung in die Behandlung einwilligen. Problematisch erscheinen mir unrealistische Erwartungen an die Reproduktionsmedizin. Wenn die Behandlung erfolglos bleibt, resultiert aus der Enttäuschung heraus häufig eine Entwertung der vorher idealisierten Bilder. Der Wunsch nach Wiedergutmachung von „Schäden“, die ursprünglich als mögliche Komplikationen in Kauf genommen wurden, ist verständlich. Bedauerlicherweise wird hierdurch notwendige Trauerarbeit verhindert.
Wir sollten nicht vergessen, dass erst eine Generation von Frauen die Leistungen der Reproduktionsmedizin für sich nutzen konnte. Mit Sicherheit müssen sowohl die Patientinnen als auch ihre Behandler aus den bisher gewonnenen Erfahrungen noch lernen.
Dr. med. Christel Kuhn,
Kyllblick 19, 54531 Manderscheid
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