ArchivDeutsches Ärzteblatt10/2002Reproduktionsmedizin - Zwischen Trauma und Tabu: Kritische Distanz wahren
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LNSLNS Wir Ärzte, die wir in der „Gesundheitsindustrie“ groß geworden sind, laufen nach meiner Einschätzung Gefahr, wichtige Orientierungspunkte ärztlichen Handelns zu verlieren, wenn wir nicht versuchen, verheißungsvollen Zukunftstechnologien gegenüber zugleich kritische Distanz zu wahren. Dies gilt besonders für die Reproduktionsmedizin, in der sich zurzeit wie in fast keiner anderen ärztlichen Fachrichtung die Grenzen zwischen wünschenswerten neuen Techniken und ethisch nicht vertretbaren Menschenversuchen zu verwischen drohen. Hier gilt es, dem persönlichen Ehrgeiz, dem Machtstreben und der Gewinnsucht Einzelner allgemein von der Gesellschaft getragene, rechtskonforme, ethische Grundwerte entgegenzustellen. Die Ärzte sollten den Auftrag des Heilens nicht aus den Augen verlieren. Die Reproduktionsmedizin und an sich hilfreiche Methoden der PID sollten nicht in den Verdacht geraten, den Bedarf an embryonalen Stammzellen für Forschungszwecke decken zu helfen!
So wie derzeit bei genetischen Untersuchungen eine psychologische Betreuung der Betroffenen erfolgt, halte ich dies auch bei Fertilitätsbehandlungen zusätzlich zur ärztlichen Beratung für erforderlich, umso mehr als verschiedene Faktoren wie langjährige Kinderlosigkeit, mögliche vererbte Behinderungen, andere physische und psychische Belastungsfaktoren oder auch das fortgeschrittene Lebensalter des Paares als weitere Stressoren wirken können. Sowohl die Eltern wie das zu gebärende Wunschkind würden davon profitieren. Ich wage zu behaupten, dass einige Paare hierdurch auch von einer Fertilitätsbehandlung Abstand nehmen und ein Kind adoptieren würden. . . .
Yvonne Suttor-Bräutigam,
Gorch-Fock-Straße 13, 24229 Strande
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