ArchivDeutsches Ärzteblatt10/2002Reproduktionsmedizin - Zwischen Trauma und Tabu: Ernüchternde Bilanz
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LNSLNS Die Verfasserin schildert die körperlichen und psychischen Belastungen für die Frau und die vielfältigen Risiken einer IVF ausführlich und überzeugend. Die geringe Erfolgsaussicht einer IVF streift sie nur am Rande. Dabei dürfte gerade die Kenntnis der internationalen Statistik (veröffentlicht in Human Reproduction 15/12, 2000) für eine freie Entscheidungsfindung unverzichtbar sein.
Bei 886 dokumentierten Fällen wurden über 10 000 Eizellen entnommen, von diesen 9 090 inseminiert, davon über 5 000 biopsiert. Pro Frau werden etwa vier Keimlinge „ausgesondert“, die übrig gebliebenen 1 300 transferiert und am Ende 162 Kinder von 123 Frauen geboren. Die Erfolgsquote liegt damit bei 14 Prozent der Frauen und 1,8 Prozent der inseminierten Eizellen. Dafür wurde in neun Fällen während der Schwangerschaft eine Mehrlingsreduktion vorgenommen, und sieben Schwangerschaften wurden nach Pränataldiagnostik abgebrochen. In 49 Fällen kam es zu postnatalen Komplikationen, in drei Fällen endeten sie mit dem Tod des Kindes. Diese ernüchternde Bilanz dürfte viele Frauen ihren Traum vom Kind mithilfe der Reproduktionsmedizin noch einmal überdenken lassen. Es besteht auch keine Reproduktionspflicht, wie die zitierte Patientenbroschüre nahe zu legen scheint. Das Recht auf Fortpflanzung ist zunächst als Abwehrrecht zu verstehen, das heißt, der Staat hat nicht das Recht, Menschen zu hindern, Kinder zu zeugen. Auch wenn die deutsche Regelung Kinderwunsch de facto als positives Recht behandelt, das die Förderung durch die Solidargemeinschaft verdient, lässt sich daraus noch nicht im Umkehrschluss ableiten, dass ungewollte Kinderlosigkeit eine Krankheit darstellt. . . .
Dr. Rolf Klimm, Bach 2, 83093 Bad Endorf
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