ArchivDeutsches Ärzteblatt10/2002Bundeswehr: Spezielles Selbst- und Berufsverständnis
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LNSLNS Der Beitrag offenbart ein spezielles Selbst- und Berufsverständnis, das zugleich als Handlungsempfehlung für Ärzte ausgeformt ist. Herr Rupprecht legt dar, dass seine Berufswahl wesentlich durch die Realisierung der „Kriegsdienstverweigerung“ bestimmt gewesen sei, um „nicht durch die Hintertür zum Handlanger einer verfehlten Friedenspolitik zu werden“. Verweigerung sei daher auch gegenüber den Bestrebungen der Bundeswehr geboten, Ärzte und Sanitätspersonal an Großkliniken weiterbilden zu lassen, da dieses Vorgehen allein darauf ausgerichtet sei, die Kampfkraft von Soldaten zu sichern beziehungsweise diese wieder herzustellen. Dem ideologisch determinierten Bekenntnis ist in mehrfacher Hinsicht zu widersprechen: Ärzte haben die berufliche Pflicht (hippokratischer Eid), Kranke und Verletzte ohne Ansehen ihrer Rassen-, Staats- und Gruppenzugehörigkeit (Soldaten) optimal zu behandeln. Militärärzte haben die Pflicht, alles in ihren Kräften Stehende zu tun, um dem Auftrag gerecht zu werden, ihnen anvertraute Soldaten zu betreuen und in Friedens- und Kriegszeiten deren Gesunderhaltung zu gewährleisten. Das Handeln des Generaloberstabsarztes Dr. K. W. Demmer ist also schlüssig und rechtens. Man wird den Beitrag des Herrn Rupprecht als das zu bewerten haben, was er ist: Die Meinung eines Arztes, der seine Standortbestimmung im Beruf und Staat noch finden muss, um nicht dem Vorwurf ausgesetzt zu sein, unärztlich zu handeln und der Fehlleitung Dritter zu rechtswidrigem Verhalten Vorschub zu leisten. Die Optimierung der ärztlichen und sanitätstechnischen Ausbildung in der Bundeswehr ist nach allgemeiner ärztlicher Überzeugung zu begrüßen, in Sonderheit zu einer Zeit, in der deutsche Soldaten im Auftrag der UNO und nach deutschem Recht abgesichert zu Auslandseinsätzen gesandt werden. Die Risikoexposition erfordert eine gute ärztliche Prävention und Therapie, die dem modernen Stand des Wissens entsprechen muss.
Prof. Dr. Gerhard Möllhoff, Institut für Rechtsmedizin der Universität, Voßstraße 2, 69115 Heidelberg
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