ArchivDeutsches Ärzteblatt10/2002Approbation: Kritik geht fehl
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LNSLNS Die Kritik an der Abschaffung des zweiten und dritten Staatsexamens, das heißt des ersten und zweiten Abschnitts der ärztlichen Prüfung, geht fehl. Es war einer der wenigen nicht vorausgesehenen Fehler der hervorragend konzipierten Approbationsordnung von 1970, das klinische Studium durch zwei bundeseinheitlich gestaltete Staatsexamina zu unterbrechen. Dadurch wurde den Universitäten die Gestaltungsfreiheit für den gesamten klinischen Studienabschnitt praktisch genommen. Das Lernverhalten der Studenten wurde dadurch negativ geprägt, dass für diese Zwischenexamina gelernt und das dafür erworbene Wissen, unabhängig ob es in der klinischen Praxis gebraucht wird, „abgelegt“ wurde. Die Vorverlegung des ursprünglich nach dem Praktischen Jahr abgehaltenen schriftlichen Teils der ärztlichen Prüfung hat dazu beigetragen, dass die Medizinstudenten im Praktischen Jahr häufig ohne Vermittlung der den klinischen Entscheidungen zugrunde liegenden medizinischen Theorie und ohne genügende Unterweisung tätig werden. Nicht mehr Praxis, sondern mehr von Erfahrenen betreute und verstandene Praxis ist im Medizinstudium gefragt! Die bundeseinheitliche Multiple-Choice-Prüfung nach dem Praktischen Jahr war im Übrigen anerkanntermaßen die bestgestaltete, durch interdisziplinären Aufbau, Krankengeschichten und Bildbeispiele der ärztlichen Praxis soweit angenäherte Prüfung, wie dies überhaupt mit MC-Fragen möglich ist.
Es ist Recht und Pflicht des Bundes, nach Abschluss des Studiums, die Fähigkeiten der Absolventen zu überprüfen, als Ärztin oder Arzt, wenn auch zunächst weiterhin unter Aufsicht, tätig zu werden. Eine solche Regelung ist für vergleichbare Ausbildungsgänge, die mit Staatsexamina abschließen, zum Beispiel für Lehrer und Juristen, und in der Medizin in anderen Ländern selbstverständlich. Dagegen sind bundeseinheitliche Zwischenprüfungen, die durchaus ihre Meriten haben, Sache der Länder und der Universitäten und deswegen zu Recht von dem einmütigen Votum aller Länder abhängig.
In einem kombinierten mündlichen und schriftlichen Examen nach dem Praktischen Jahr sind selbstverständlich nur die Inhalte zu verlangen, die für einen Berufsanfänger in allen ärztlichen Disziplinen notwendig sind. Dazu gehören allerdings auch die notwendigen Grundkenntnisse aus in früheren Abschnitten des Studiums angelegten Fächern, zum Beispiel der Anatomie, Physiologie oder Mikrobiologie, ohne die eine wissenschaftlich gestützte ärztliche Tätigkeit nicht möglich ist. Das Studium bereits vor dem Praktischen Jahr praxisnäher zu machen ist Aufgabe der Länder und der Universitäten. Dazu gibt es ausreichende Möglichkeiten, die nicht durch die finanzielle Situation limitiert sind. Der Versuch, Universitäten, welche dies nicht wollen, dazu per Approbationsordnung zu zwingen, ist bereits früher gescheitert.
Prof. Dr. med. Hermann Heimpel, Medizinische Universitätsklinik, Robert-Koch-Straße 8, 80081 Ulm
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