ArchivDeutsches Ärzteblatt10/2002Rauchen: Scheinbare Sicherheit

BRIEFE

Rauchen: Scheinbare Sicherheit

Haustein, K.-O.

Zu einem Gesundheitstipp zum Thema „Rauchen“, veröffentlicht in Heft 2/2002 der „Bunten“:
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LNSLNS (Der Verfasser des Tipps Nr. 21) beklagte zwar die durch das Rauchen verursachten Lungenkarzinom-Toten, gab aber den Ratschlag, dass sich der Raucher zumindest etwas davor schützen könne, indem er ihm jährlich eine „low radiation computer tomography“ des Thorax, eine Bronchoskopie und zusätzlich eine „Sputumzytologie“ anempfiehlt. Glücklicherweise nicht auf Kosten der Kassen, sondern auf eigene Kosten im Sinne von IGEL-Leistungen.
Rechnen wir mal nach der GOÄ nach, was das eigentlich bedeutet: 158,76 € für die CT, 80,44 € für Bronchoskopie ohne operativen Eingriff (Entfernung eines „Knotens“), 80,44 und 13,64 € für die Sputumuntersuchung. Das wären Jahreskosten in Höhe von 252,84 €. Bedenkt man, dass nach der Mikrozensus-Studie des Statistischen Bundesamtes ein überwiegender Teil von Rauchern unter den sozial schwächeren Bürgern des Landes angesiedelt ist, kann man sich vorstellen, dass derartige Ausgaben für diese Menschen nicht denkbar sind: Die Zweiklassenmedizin stünde auch hier vor der Tür. Jedoch nur scheinbar, denn Sicherheit erreichen die „Zahler“ für sich nicht! Nach Auskunft der deutschen Hauptstelle gegen die Suchtgefahren gibt es in Deutschland derzeitig 7,6 Millionen süchtige Raucher. Würden alle diese Raucher den Empfehlungen von Herrn Magnussen folgen, kämen verschiedene Fachrichtungen zu zusätzlichen Einnahmen in Höhe von
1 921 584 €.
Trotz dieser Empfehlungen wäre der so „versorgte“ Raucher nur scheinbar „gesichert“, denn die dreimal häufiger auftretenden, tabakassoziierten Herz-Kreislauf-Erkrankungen blieben unberücksichtigt. Für deren diagnostische Leistungen (Angiographie verschiedener Körperregionen, Sonographie von Herz und Gefäßen, EKG und so weiter) würde zumindest die gleiche Summe zu zahlen sein. Und dennoch bekäme der Raucher für dieses Geld nur scheinbare Sicherheit für einen hohen Preis . . .
Prof. Dr. med. K.-O. Haustein,
Dt. Gesellschaft für Nikotinforschung e.V., Johannesstraße 85–87, 99084 Erfurt
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