ArchivDeutsches Ärzteblatt10/2002Steuererklärung: Alte Listen, neue Fallen

VARIA: Schlusspunkt

Steuererklärung: Alte Listen, neue Fallen

Dtsch Arztebl 2002; 99(10): [96]

Rombach, Reinhold

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LNSLNS So mancher grübelt in diesen Tagen über seine Steuererklärung nach, so er sie nicht von fachkundiger Seite erstellen lässt. Das Fiskalgesetzesdickicht wird ja immer undurchdringlicher, von Vereinfachung keine Spur, und da bricht einem leicht der Schweiß aus, man könnte etwa dem Fiskus eine Mark zuviel belassen. So weit kommt das noch.
Aber auch wer den Papierkram in Gänze vom Steuerberater erledigen lässt, wird sich derzeit mit seinem Helfer intensiv besprechen oder umgekehrt, es gibt ja so viele Auslegungsmöglichkeiten und so weiter. „Wenn ich bloß wüsste, wonach mein Finanzbeamter sucht, sähe meine Steuererklärung ganz anders aus“, meinte dieser Tage so ein geplagter Fiskalschuldner.
Diese Motivlage ist freilich gefährlich, richtet sich doch die Steuerschuld letztlich nach Recht und Gesetz und nicht danach, was ein Finanzbeamter für besondere Vorlieben hat. Und außerdem, sagen die Kritiker dieser Idee, jeder Jeck ist anders, und warum sollte das nicht für den Fiskus gelten, jeder Prüfer prüft das, was ihm in den Sinn kommt oder auch nicht.
Von wegen. Es gibt nämlich bei den Finanzbehörden durchaus Rahmenvorstellungen, wie die Prüfung einer Steuererklärung zu laufen hat, nachzulesen (nicht für jedermann) in so genannten „Prüfungsschwerpunkten“. Hier finden sich auf dem Wunschzettel seit neuestem ganz obenauf so lustige Sachen wie Spekulationsgewinne aus Aktienkäufen.
Wirklich wahr. Die Liste der Prüfungsschwerpunkte wird jedes Jahr neu justiert, und die zur Volkshysterie ausgeartete Saga vom Aufstieg und Fall der Aktienkurse, genauer deren Folgen, sind eben jetzt Topthema, übrigens neben den gemachten Angaben zu den Fahrkosten sowie dem Vorsteuerabzug.
Nicht wenige verschanzen sich bei ihrer Steuererklärung hinter der Idee, das deutsche Bankgeheimnis hielte seine schützende Hand über die kleinen Geheimnisse der Börsenmogler. Die Erfahrung der letzten Jahre zeigt aber, dass sich hier keiner zu sicher fühlen darf.
Nicht gut beraten sind im Übrigen Anleger, die sich – aus heiterem Himmel – an die helfende Hand des Staates erinnern und ihre horrenden Verluste aus Aktiengeschäften des Jahres 2001 in der jetzigen Steuererklärung angeben, aber dabei völlig „vergessen“ haben, in den Formularen der Vorjahre die auch nicht schlechten Gewinne
zu versteuern. Dieser Fauxpas wird mit Sicherheit zu
unangenehmen Recherchen führen.
Besonnene sind da schon besser dran, wenn sie die Thematik schon im Vorfeld mit einer Selbstanzeige aus dem Weg geräumt haben. VogelStrauß-Politik ist in diesen Fällen nicht angebracht, zu sehr ragen die verdächtigen Körperteile aus dem Sand.
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