ArchivDeutsches Ärzteblatt11/2002Steuersparmodelle – Gute Idee: Aktien auf Kredit?

VARIA: Schlusspunkt

Steuersparmodelle – Gute Idee: Aktien auf Kredit?

Dtsch Arztebl 2002; 99(11): [108]

Rombach, Reinhold

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Wenn ich auf Steuersparmodelle angesprochen werde, rate ich in den meisten Fällen zur Vorsicht. Meine Leser wissen seit Jahr und Tag, dass ich die Quote der Schrottobjekte in diesen Bereichen bei etwa 90 Prozent ansetze, egal ob es sich um Schiffsbeteiligungen oder Windkraftinvestments handelt oder um andere Versuche, den Anleger in unternehmerisches Risiko zu locken, es bleibt immer eine fragwürdige Sache in meinen Augen.
Ganz besonders Hartnäckige frage ich dann, ob sie denn auch, wenn sie schon so scharf aufs Steuersparen sind, Aktien auf Kredit kaufen würden. Dann mache ich immer wieder die gleiche, verblüffende Erfahrung, dass vor einem Wertpapierkauf auf Kredit enorm zurückgeschreckt wird. „Das ist doch bloß was für Zocker“, höre ich dann.
Das wiederum erstaunt mich doch sehr, denn die Risikoposition eines Lombardkredites ist, genau besehen, ungleich geringer als die meisten der auf Hochglanzpapier prospektierten Steuersparmodelle. „Normale“ Objekte in dieser Richtung hat der Anleger in der Regel jahrelang an der Backe, neben dem Risiko des Totalausfalles der Anlage drücken ganz erhebliche so genannte weiche Kosten die Rendite auf ein oft jämmerliches Niveau.
Im Grund viel einfacher ist die Situation bei einem Aktienkauf auf Kredit. Hier leiht sich der Anleger eben für eine bestimmte Zeit Geld bei der Bank, kauft Aktien und verkauft sie später mit Gewinn wieder. Nach Abzug der Zinsen bleibt dann ein Überschuss. So weit die Theorie und vorausgesetzt, die richtige Aktienauswahl wurde getroffen. Steuerlich ist die Sache erst recht attraktiv, denn die Zinsen sind in der Regel voll abzugsfähig. Realisierte Kurszuwächse unter einem Jahr sind glücklicherweise vom Fiskus begünstigt, da nach dem „Halbeinkünfteverfahren“ nur die Hälfte des Gewinnes zu versteuern ist.
Dass wir uns aber auch wirklich richtig verstehen: Ich schreibe hier keine Lobeshymnen auf Wertpapierkredite und empfehle sie ausdrücklich nicht! Ehrlich, mir persönlich wäre ein solches Vorgehen viel zu stressig und erst recht zu riskant. Es gibt nichts Schlimmeres als fallende Kurse und drohende Zwangsliquidationen (Verkäufe) durch die Bank, wenn die Aktiennotizen den Kreditrahmen nicht mehr decken.
Letztlich geht es mir darum, aufzuzeigen, dass Wertpapierkredite in der Skala des Nervenflatterns deutlich unter den üblichen Steuersparmodellen liegen, aber freilich immer noch erhebliche Risiken bergen.
Wer wirklich funktionierende Modelle sucht, den Fiskus legal zu schröpfen, sollte sich gleichwohl dem Gedanken des Lombardkredits nicht verschließen. Wer dann aber abschließend meint, die Sache sei zu riskant, darf sich erst recht keine sonstigen Steuersparprojekte aufschwatzen lassen. Alles andere wäre inkonsequent.
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