ArchivDeutsches Ärzteblatt11/2002Multiple Sklerose: Frühdiagnose mit Kernspintomographie

AKTUELL: Akut

Multiple Sklerose: Frühdiagnose mit Kernspintomographie

Dtsch Arztebl 2002; 99(11): A-673 / B-549 / C-517

Meyer, Rüdiger

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LNSLNS Läsionen in der T2-gewichteten Kernspintomographie des Gehirns sind ein zuverlässiger Frühindikator für eine multiple Sklerose. Dies zeigen die im New England Journal of Medicine publizierten Ergebnisse einer Langzeitstudie (2002; 346: 158–164). Die multiple Sklerose beginnt häufig mit einer Optikusneuritis oder isolierten Ausfällen im Hirnstamm- oder Rückenmarksbereich. Da die Erkrankung meistens schubförmig verläuft, verschwinden die Symptome nach einiger Zeit wieder. Um die Diagnose zu stellen, mussten die Ärzte bisher einen zweiten Schub abwarten. Dieser tritt eventuell erst nach mehreren Jahren auf. Seit einiger Zeit ist bekannt, dass bei der Frühform der Erkrankung Läsionen in der T2-gewichteten Kernspintomographie auftreten. Die prognostische Bedeutung dieser Läsionen war jedoch nicht klar. Am Institute of Neurology in London werden deshalb seit vierzehn Jahren die Patienten mit diesen Frühbefunden regelmäßig nachuntersucht. Wie die Gruppe um Peter Brex in Zusammenarbeit mit Michael Sauer von der Universität Magdeburg berichtet, sind inzwischen 44 der 50 Patienten (88 Prozent) an einer manifesten multiplen Sklerose erkrankt. Sie waren zuerst zwischen 1984 und 1987 untersucht worden, und zwar relativ früh nach dem Auftreten der ersten Symptome.

Die Studie dürfte Auswirkungen auf die immunmodulierende Therapie haben. Derzeit wird ein frühzeitiger Einsatz dieser Medikamente (vor allem Interferone) diskutiert. Er scheiterte jedoch an der Unfähigkeit, die multiple Sklerose im Frühstadium sicher zu diagnostizieren. Dass dies jetzt möglich ist, bedeutet jedoch nicht, dass die Patienten auch wirklich von einer Therapie mit Interferonen ab diesem frühen Zeitpunkt profitieren. Dies müsse erst in sorgfältig geplanten Studien nachgewiesen werden, betonen die Autoren mit Nachdruck.

Eine weitere Studie im Heft zeigt, dass die Ursache der multiplen Sklerose nicht in einem Mangel an Oligodendrozyten besteht. Diese Zellen produzieren Myelin, die Substanz der Nervenscheiden, die bei der multiplen Sklerose zugrunde gehen. Ansi Chang von der Cleveland Clinic und Mitarbeiter haben diese Zellen in den Läsionen von Verstorbenen mit fortgeschrittener multipler Sklerose gefunden (2002; 346: 165–73). Von der Struktur her waren die Oligodendrozyten intakt, und es bleibt unklar, warum sie kein Myelin mehr produzieren. Im Editorial geben Donald W. Paty (Vancouver) und Douglas L. Arnold (Montreal) der Idee, die Erkrankung mittels Transplantation dieser Zellen in das Gehirn zu heilen, kaum noch Chancen (2002; 346: 199–200). Rüdiger Meyer
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