ArchivDeutsches Ärzteblatt11/2002Vergangenheit: Es geht heute nicht um Schuld, sondern um Erkenntnis

BRIEFE

Vergangenheit: Es geht heute nicht um Schuld, sondern um Erkenntnis

Dtsch Arztebl 2002; 99(11): A-702 / B-539 / C-497

Rocholl, Horst

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS . . . Woher und aus welchen Motiven kamen Ärzte in die NSDAP? Mancher, der als Soldat oder Offizier am Weltkrieg 1914/18 teilgenommen hatte und in einem Freikorps oder einem Studentenbataillon gedient hatte, identifizierte sich mit ihren nationalistischen und rassistischen Zielen, andere, so ging es zum Beispiel mir, fielen auf die soziale Demagogie der Partei herein, darauf, dass sie sich sozialistisch nannte. In und unmittelbar nach der Weltwirtschaftskrise mit sieben Millionen Arbeitslosen war diese Gefahr groß. Zwei Marburger Professoren, ein Hygieniker und ein Pharmakologe, kamen im Frühjahr 1933 von einer Reise nach Berlin in SS-Uniform mit dem Dienstgrad Obertruppführer nach Marburg zurück. Dass ihr Motiv ihr Karrierestreben war, wurde sehr bald deutlich.
Die Vernachlässigung des Sozialen und die Überbetonung des Biologischen im Medizinstudium dürfte einer der Hauptgründe dafür gewesen sein, dass Ärzte sich mehr als andere zur NSDAP hingezogen fühlten.
Es geht heute nicht um Schuld, sondern um Erkenntnis und Selbstverständnis . . .
Dr. Horst Rocholl, 15366 Neuenhagen
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige