ArchivDeutsches Ärzteblatt11/2002Pharmaindustrie: Generika-Ramschladen
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LNSLNS . . . Alle so genannten Gesundheitsreformen der letzten zwanzig Jahre wurden auf dem Rücken der Industrie ausgebadet. Dies war der leichteste Weg, Einsparungen durchzusetzen. Man brauchte sich nicht mit aufsässigen Verbänden oder Landräten, die Angst um ihre Wahlchancen hatten, auseinander zu setzen. Dabei wurde billigend in Kauf genommen, dass in einer der wenigen Hightech-Branchen, die Deutschland überhaupt noch hat, Tausende von hochqualifizierten Arbeitsplätzen für immer verloren gingen. Diese wurden geopfert für so hehre Ziele wie (kurzfristige) Beitragssatzstabilität, Sicherung der Rentenerhöhung für ostdeutsche Rentner, Gewinnen von Wahlen etc. So wurde die einstmals so stolze Apotheke der Welt in einen Generika-Ramschladen verwandelt. Anfang der 80er-Jahre waren Bayer und Hoechst die führenden Pharmakonzerne der Welt. Heute sind sie froh, wenn sie beziehungsweise ihre fusionierten Nachkömmlinge unter den ersten 20 genannt werden. Maßgeblich beteiligt an diesem Szenario ist auch der (im gleichen Heft als mit 71 Jahren (!) immer noch aktiv beschriebene) ehemalige Staatssekretär im Ge­sund­heits­mi­nis­terium Karl Jung, der sich schon bei der Einführung der Festbeträge als völlig beratungsresistent erwiesen hatte. Als Gesundheitspolitiker hat man anscheinend in diesem Alter noch die geistigen und körperlichen Reserven, die den Kassenärzten mit 68 Jahren abgesprochen werden . . .
Ministerin Ulla Schmidt spricht im Rahmen der Einführung von „aut idem“ von „strukturverändernden Maßnahmen, die zu Einsparungen führen werden“. Dies wird eintreten, aber möglicherweise anders, als die Ministerin es sich heute vorstellt. Die forschende pharmazeutische Industrie wird gegenüber dem Ausland weiter an Boden verlieren, und der Generikaanteil wird in Deutschland weiter steigen. Ob das der richtige Weg für Innovationen ist? . . .
Dr. med. Martin Thomas, Gesundheitsökonom, Waldparkdamm 6, 68163 Mannheim !
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