ArchivDeutsches Ärzteblatt11/2002Die nichtalkoholische Steatohepatitis: Nahrungsmittelallergie ursächlich

MEDIZIN: Diskussion

Die nichtalkoholische Steatohepatitis: Nahrungsmittelallergie ursächlich

Dtsch Arztebl 2002; 99(11): A-729 / B-592 / C-557

Schwabedissen, Otto Meyer zu

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LNSLNS Die nichtalkoholische Steatohepatitis (NASH) ist die häufigste Krankheit, beziehungsweise das häufigste Begleitsymptom der funktionellen und algetischen Störungen in der Praxis (2). Bei 1 648 neu untersuchten Patienten (4), innerhalb von 16 Jahren, (unterteilt in drei Perioden; zwei mal sechs Jahre und ein mal vier Jahre) zeigt sich, dass 76,5 Prozent eine Fettleber hatten, davon etwa die Hälfte mit Transaminasenerhöhung, die andere lediglich palpatorisch tastbar. Ähnliche Ergebnisse berichtete auch der Kanadier Naylor 1936 in der Münchner Medizinischen Wochenschrift. Bei der Untersuchung von 1 000 gesunden Rekruten fand er bei 43 Prozent palpatorisch vergrößerte Lebern.
1968 habe ich wegen des Zusammenhangs mit Virusinfekten und dem schubweisen Verlauf, wie er in Wochenstatistiken zum Ausdruck kommt und auch von der Blutspendezentrale bestätigt wurde, die Krankheit katarrhalische Hepatose genannt (3). Die unterschiedliche Intensität von Transaminaseschüben mit und ohne leichter Bilirubinerhöhung bis 3 mg Prozent Gesamtbilirubin, lassen vermuten, dass unterschiedliche Virusinfekte die Krankheit bedingen. So gab es 1966 deutliche Bilirubinerhöhungen, während 1967/68 vom September 1967 bis August 1968 nur ganz vereinzelt Bilirubinerhöhungen bei den Transaminasenschüben nachweisbar waren.
In ihrer Publikation stellen Kaufmann und Hahn (1) 1982 fest, dass intrazelluläre Infektionen beispielsweise mit Chlamydien aber auch mit Viren, eine Typ-3-Allergie nach sich ziehen. Daraus schließe ich, dass diese Typ-3-Allergie sich wahrscheinlich auf eine sich entwickelnde Intoleranz gegen Nahrungsmoleküle bezieht. Es handelt sich also bei der Mitbeteiligung der Leber um eine Intoleranz oder vielleicht auch um eine echte Allergie auf Nahrungsmittel. Jedenfalls hat sich eine Ernährungstherapie mit Austestung der Nahrung bewährt. Die Parameter, die die Nahrungsauswahl als zweckmäßig bestätigen, sind sowohl klinische Daten, wie Besserung des Befindens, Nachlassen der algetischen Zustände wie Rückenschmerzen und KopfKopfschmerzen als auch das Verschwinden der Transaminasenerhöhung und auch eine schnelle Gewichtsabnahme, wenn vom „Richtigen“ viel gegessen wurde. So war der Gewichtsverlust von 100 unausgewählten Patienten in drei Tagen durchschnittlich 2,2 Kilo, in vier Wochen 6,3 Kilo, in 6 Wochen 8,2 Kilo. Der Nahrungsstoffwechsel wird als therapeutische Maßnahme in der Klinik schon aus Organisationsgründen (Großküche) zu wenig beachtet. Zu den im Textkasten 2 aufgeführten Ursachen der NASH ist zu bemerken, dass Adipositas und Typ-2-Diabetes Ausdruck dieser Nahrungsintoleranz sind und dass eine Nahrungsintoleranz im Einzelfall ausgetestet werden muss. Es gibt keine „gesunde“ Kost sondern nur ausgesuchte verträgliche Nahrung. Dies gilt besonders für Diabetiker und auch für die Adipositas, die ebenso wie die NASH zur Nahrungsintoleranz gehört.

Literatur
1. Kaufmann S, Hahn H: Infektabwehr gegen fakultativ intrazelluläre Parasiten: Zur Frage nach der Identität der Schutz und Allergie vermittelnden Zelle. Zbl Bakt Hyg 1982; 1. Abt. Orig. A 251: 369–379.
2. Meyer zu Schwabedissen OA: Diskussionsbemerkung zu Delius L: Vegetative Dystonie heute noch? Fortschritte der Medizin 1971; 89: 443.
3. Meyer zu Schwabedissen OA: Die katharrhalische Hepatose oder die akute Fettleber. Med Klinik 1968; 62: 1419–1421.
4. Meyer zu Schwabedissen OA: Praktische Medizin. Analyse einer internistisch geführten Hausarztpraxis. Herausforderung der unerhebliche Befund, Nahrungsintoleranz. Achern: Acheron-Verlag 2000: 195 ff.

Dr. med. Otto Meyer zu Schwabedissen
Am Stadtgarten 25
77855 Achern

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