ArchivDeutsches Ärzteblatt11/2002Systemische Pilzerkrankungen: Caspofungin wirkt bei invasiver Aspergillose

VARIA: Wirtschaft - Aus Unternehmen

Systemische Pilzerkrankungen: Caspofungin wirkt bei invasiver Aspergillose

Dtsch Arztebl 2002; 99(11): A-733 / B-633 / C-577

Weiß, Maria

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Durch eine immer aggressivere Immunsuppression haben systemische Pilzinfektionen wie die Aspergillose auf hämatologisch-onkologischen Stationen an Bedeutung gewonnen. Die bisherige Therapie dieser lebensbedrohlichen Mykosen mit Itraconazol oder Amphotericin-B war nicht immer erfolgreich und zum Teil durch starke Nebenwirkungen limitiert. Mit der Einführung von Caspofungin (Caspofungin®, MSD) steht für die Behandlung der invasiven Aspergillose ein neuartiges Antimykotikum zur Verfügung, das auch bei Versagen der Standardtherapie noch einen Behandlungserfolg verspricht.
Lange Halbwertszeit
Die Letalität von systemischen Pilzerkrankungen, wie zum Beispiel Aspergillose oder Candidasepsis, bei immunsupprimierten Patienten beträgt auch heute noch 50 bis 90 Prozent. Für den nicht unerheblichen Anteil der Patienten, die auf die Therapie mit Itraconazol oder Amphotericin-B nicht ansprechen oder die Substanzen nicht vertragen, habe man bisher nicht mehr viel tun können, sagte Dr. Axel Glasmacher (Universität Bonn) bei einer Pressekonferenz in Berlin.
Sowohl die Konazole als auch Amphotericin-B setzen an der Zellmembran der Pilze an. Caspofungin, ein hemisynthetischer Abkömmling von Pneumocandin-B0, hemmt dagegen die Synthese von Glucan, das einige Pilzspezies zum Aufbau der Zellwand benötigen. Der Wirkmechanismus unterscheidet sich deutlich von dem anderer Antimykotika.
Caspofungin wird nicht oral resorbiert, braucht aber wegen seiner langen Halbwertszeit von neun bis elf Stunden nur einmal täglich intravenös injiziert zu werden. Nach einer Aufsättigungsdosis von 70 mg am ersten Tag wird mit einer Erhaltungsdosis von 50 mg/d weiter therapiert. Die Elimination erfolgt überwiegend hepatisch, wobei keine Interaktionen mit dem P450-Enzymsystem zu befürchten sind.
In vitro zeigte Caspofungin eine ausgeprägte Wirksamkeit gegen die Problemkeime Candida, Aspergillus und Pneumocystis carinii. Die gute Wirksamkeit gegen Candida-Spezies bestätigte sich auch in der Dosisfindungsstudie, an der Patienten mit Candida-Ösphagitis teilnahmen. Bei Fluconazol-resistenten Erkrankungen habe man hier Ansprechraten von 93 Prozent gesehen, so Glasmacher.
Zur Zulassung geführt hat aber eine Studie mit 56 immunkomprimierten Patienten, die an einer invasiven Aspergillose erkrankt waren und auf die Therapie mit Itraconazol oder Amphotericin-B nicht ansprachen (n = 46) oder sie nicht vertrugen (n = 10). Bei 41 Prozent dieser Patienten konnte ein Behandlungserfolg verzeichnet werden. Bei den Patienten, bei denen die Standardtherapie versagt hatte, konnte man bei 36 Prozent eine Remission erreichen. Selbst Patienten mit einer disseminierten Aspergillose, die in der Regel eine infauste Prognose haben, sprachen noch zu 20 Prozent auf die Therapie mit Caspofungin an.
Das Nebenwirkungsprofil von Caspofungin sei deutlich günstiger gewesen als von Amphotericin-B, berichtete Glasmacher. Insbesondere traten Fieber, Schüttelfrost und ein Kreatininanstieg unter
der Therapie wesentlich seltener auf als unter Amphotericin-B.
Maria Weiß
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema