ArchivDÄ-TitelSupplement: PRAXiSSUPPLEMENT: Praxis Computer 1/2002Lap-SimOne: Simulator-Training für Chirurgen

SUPPLEMENT: Praxis Computer

Lap-SimOne: Simulator-Training für Chirurgen

Dtsch Arztebl 2002; 99(11): [28]

Cleeves, Volker

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Mit dem Simualtor „LapSimOne“ können angehende Chirurgen realitätsnah Operationen trainieren.
Mit dem Simualtor „LapSimOne“ können angehende Chirurgen realitätsnah Operationen trainieren.
Die Informationstechnologie mit immer leistungsstärkeren Rechnern ermöglicht Simulationen in Echtzeit.
Virtual-Reality-Systeme sind schon lange Bestandteil der Pilotenausbildung und werden künftig für weitere Ausbildungsfelder verpflichtend. Auch die medizinische Ausbildung bietet ideale Einsatzmöglichkeiten.
Die realistischen Übungen am Flug-Simulator gehören zu den Grundvoraussetzungen der Pilotenausbildung. Was dort längst Routi-ne ist, hält jetzt Einzug in die Universitätskliniken und Krankenhäuser, um die Spezialausbildung von Chirurgen zu erleichtern.
Wurden vor circa zehn Jahren Blinddarmoperationen offen, das heißt mit der Öffnung des Bauchraumes durchgeführt, sind heute in der Regel nur noch kleine Schnitte zum Einführen einer endoskopischen Kamera und der chirurgischen Instrumente notwendig. Die minimalinvasive Chirurgie wird als operatives Verfahren immer wichtiger. So ist beispielsweise bei der Behandlung des Gallensteinleidens die laparoskopische Cholezystektomie bereits die Standardoperation. Wo immer ein solcher Eingriff möglich oder notwendig ist, bedeutet dies für den Patienten geringere Wundschmerzen, kleinere Narben, höhere Überlebenschancen und verkürzte Liegezeiten im Krankenhaus.
Der Chirurg muss sich aufgrund der eingeschränkten Sicht, des veränderten Tastgefühls und der verminderten Beweglichkeit intensiv auf diese Operationsmethode vorbereiten. Bisher werden die Chirurgen ausschließlich an Leichen, „Schlachthof-Organen“, im Tierversuch oder beim erfahreneren Kollegen während einer Operation am Patienten unterwiesen. Neben den damit verbundenen ethischen Bedenken kommen hier Risikoquellen bei der Organbeschaffung hinzu, beispielsweise Maul- und Klauenseuche, Schweinepest oder BSE. Die organisatorisch-logistischen Aufwendungen für die Ausbildungskurse sind erheblich und kostenintensiv.
Diese organisatorisch aufwendige Ausbildung kann bei gleichzeitiger Qualitätsoptimierung durch ein stationäres, jederzeit verfügbares und personalunabhängiges Trainings-System ersetzt werden. Eine Verringerung der Trainingskosten um 30 Prozent wäre schon heute möglich.
Ein wichtiger Vorteil des Simulator-Trainings besteht darüber hinaus in der Möglichkeit, die Teamarbeit zu optimieren: Viele Komplikationen – im Operationssaal wie im Cockpit – sind zum großen Teil auf mangelndes beziehungsweise schlechtes Teamwork zurückzuführen.1
Im Forschungszentrum Karlsruhe wurde mit dem „Lap-SimOne“ der bisher weltweit einzige käufliche Simulator für Chirurgen entwickelt. Per Computergrafik am Bildschirm und „gefühlübertragenden“ (force-feedback) Instrumenten wird die räumlich-reale Anatomie unterhalb der Bauchdecke simuliert; der Operateur kann in Echtzeit alle notwendigen Eingriffe durchführen. Die dargestellten Organe und Blutgefäße sind deformierbar und bluten nach Schnitten. Auch eine Bewertung des Operateurs ist durch den Computer möglich, das heißt objektivierbar und standardisierbar geworden.
Systematisches Lernen
Der Lap-SimOne baut das Wissen und die Geschicklichkeit systematisch auf. Neben dem Vermitteln von theoretischem Wissen, wie Anamnese, Indikation einer OP etc., wird zunächst anhand einfacher Übungen die Kameraführung mit der 30°-Optik erlernt. Dann folgen Geschicklichkeitsübungen, die die Hand-Auge-Koordination festigen und den Umgang mit den Instrumenten einstudieren. Wurden hier die Standardanforderungen erfüllt, kann der Lernende an dem virtuellen Patienten das Gelernte auf die Probe stellen. In der Simulation einer Gallenblasenentfernung werden nahezu sämtliche Fähigkeiten abverlangt, die für eine erfolgreiche minimalinvasive Chirurgie erforderlich sind.
In der Regel nimmt im Verlauf der chirurgischen Fachausbildung die Überwachung ab, sodass mit zunehmender Selbstständigkeit die Wahrscheinlichkeit technischer Fehler steigt. Fehler am Simulator schaden keinem Patienten; sie werden dokumentiert und können im kritischen Dialog zukünftig vermieden werden. Weniger Fehler bedeuten weniger Komplikationen und damit weniger Ausgaben. Daraus ergeben sich für den Klinikbetrieb höhere Kosteneinsparungen, die im Zuge des Kosten- und Qualitätsmanagements immer wichtiger werden. Vor diesem Hintergrund lohnt sich auch in der Medizin die Anschaffung eines Lap-SimOne-Simulators mit rund 100 000 €, zumal hier ähnliche Vorteile bestehen, wie in der seit Jahrzehnten erfolgreich praktizierten Pilotenausbildung an Simulatoren.
Was heute fortschrittliche Universitätskliniken mitentwickeln, wird bereits in Kürze die Art der Ausbildung, aber auch die Aneignung höherer Qualifikationen maßgeblich verändern und aus dem chirurgischen Alltag nicht mehr wegzudenken sein. Zunehmender Wettbewerb in der Gesundheitsversorgung und ein verstärktes Bewusstsein der Patienten hinsichtlich der Anforderungen an Qualität und Service führen dazu, dass die Krankenhäuser auch das Ausbildungsmanagement verbessern müssen. Volker Cleeves
Informationen: Select IT Vest Systems AG, Wilhelm-Herbst-Straße 12, 28359 Bremen, Telefon: 04 21/20 11-3 32, Fax: 20 11-38 32, Internet: www.select-it.de
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