ArchivDeutsches Ärzteblatt12/2002Mobilfunk: Gefahren für Gesundheit weiter unbewiesen

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Mobilfunk: Gefahren für Gesundheit weiter unbewiesen

Dtsch Arztebl 2002; 99(12): A-755 / B-617 / C-577

Rabbata, Samir

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Noch gibt es keinen wissenschaftlichen Beweis für gesundheitliche Gefahren durch mobiles Telefonieren. Foto: BilderBox
Noch gibt es keinen wissenschaftlichen Beweis für gesundheitliche Gefahren durch mobiles Telefonieren. Foto: BilderBox
Mobiles Telefonieren ist nach einer Studie des Verbandes der Elektrotechnik ungefährlich. Fragen gibt es trotzdem noch.

Handy-Nutzer können aufatmen. Zumindest, wenn sie der neuesten Studie des Verbands der Elektrotechnik (VDE) Glauben schenken. Demnach gibt es keinen erkennbaren Zusammenhang zwischen Handy-Nutzung und gesundheitlichen Problemen. Ausgewertet wurden 62 wissenschaftliche Publikationen, die einen „anerkannten Begutachtungsprozess durch unabhängige Experten durchlaufen hatten“, teilte der VDE mit. Die bisherigen epidemiologischen Studien und Tierexperimente sprächen gegen eine Beziehung der betrachteten Felder zu Krebserkrankungen.
Es gebe auch keine Hinweise, dass Kinder und kranke oder alte Menschen empfindlicher auf die elektromagnetischen Felder des Mobilfunks reagieren als gesunde Erwachsene. Prof. Dr.-Ing. Jörg Eberspächer, Vorsitzender des VDE, erklärte bei der Präsentation der Studie in Berlin, dass weder Handys noch Mobilfunksendeanlagen nach dem jetzigen Stand der Technik gesundheitsgefährdend seien. „Die derzeit gültigen Grenzwerte sind längst ausreichend“, so Eberspächer. In Deutschland beruhten die Grenzwerte ohnehin auf weltweiten Erkenntnissen über alle bekannten Wirkungen hochfrequenter elektromagnetischer Felder.
Vorsichtiger ist die Einschätzung von Prof. Dr. med. Heyo Eckel, Präsident der Ärztekammer Niedersachsen und Vorsitzender des Ausschusses Umwelt und Gesundheit der Bundes­ärzte­kammer. Gegenüber dem Deutschen Ärzteblatt wies Eckel darauf hin, dass man zwar nach den bisherigen Ergebnissen valider Studien keine akuten Gefahren nachweisen könne, endgültige Befunde aber noch ausstünden. Bis jetzt habe man keinerlei Langzeiterfahrung mit diesem Problem.
Eine intensive Begleit- und Grundlagenforschung sei deshalb notwendig. Eckel verdeutlichte, dass gerade Ärzte täglich mit
vermeintlichen gesundheitlichen Folgen elektromagnetischer Strahlung konfrontiert würden. Kopfschmerzen, Schlaflosigkeit und Depressionen gehörten zu den am häufigsten von Patienten genannten Symptomen. Zwischen den wissenschaftlichen Erkenntnissen und den Schilderungen der Betroffenen gebe es eine große Diskrepanz. Eckel: „Wir können diese Patienten nicht einfach als Hypochonder abtun.“
Der Autor der VDE-Studie, Prof. Dr.-Ing. habil. med. Jiri Silny, Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen, räumte ein, dass Handys in einer Entfernung unter 20 Zentimetern Herzschrittmacher stören könnten. Handystrahlen könnten außerdem eine geringe Erwärmung im Kopf bewirken. Es gebe auch Befunde, wonach Mobilfunkstrahlen die Reaktionszeit verkürzten. Mit einem Augenzwinkern bemerkte Silny: „Ist der Kopf ein bisschen wärmer, denkt es sich auch besser.“
Samir Rabbata
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