ArchivDeutsches Ärzteblatt12/2002Ethik: Hüten wir uns davor, übermütig zu werden
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Endlich einmal eine etwas tiefer greifende Beschäftigung mit der Frage um die embryonalen Stammzellen, die bisher, soweit ich lesen konnte, reichlich flach mit wenig durchdachten Schlagworten behandelt wurde. So blieben die Argumente des Für und Wider nicht überzeugend, und man täte besser daran, das Los und nicht den versagenden menschlichen Verstand entscheiden zu lassen. Denn was sind diese embryonalen Stammzellen denn anderes als belebte Materie ohne Geist? Das Attribut „menschlich“ kommt Zellen wesentlich später zu, nämlich erst dann, wenn sie keine Stammzellen mehr sind und sich aus einem Teil von ihnen ein geistproduzierendes Sapiensgehirn zusammengeschlossen hat. Oder ist es nicht länger der Geist, der den Menschen vom Tier unterscheidet? Und dieser Geist ist nun einmal an einer bestimmten Neuronenzahl des evolutionär entwickelten materiellen Gehirns gebunden. Wo die Schnittstelle zwischen Materie und Geist sitzt, ist weiterhin das eigentliche Rätsel unserer menschlichen Existenz. Solange dieses Rätsel naturwissenschaftlich korrekt nicht gelöst ist, wozu auch ein tieferer Erkenntnisstand über das Phänomen Materie gehört, bleibt die Diskussion, so anspruchsvoll sie auch daherkommt, letztlich Geschwafel. Wir sollten uns damit abfinden, dass es viele Fragen gibt, die unser beschränktes Sapiensgehirn nicht definitiv zu beantworten vermag. Oder haben wir Sokrates bereits vergessen? Hüten wir uns also davor, übermütig zu werden. Einigermaßen rational beurteilen können wir zurzeit lediglich die Ethik des Heilens, nicht aber die Ethik der Menschenwürde, da diese durch die jeweilige Kultur und damit durch irrationale Glaubensgrundsätze bestimmt wird.
Priv.-Doz. Dr. med. Günther Schweer, Sandkuhlenweg 1, 26180 Rastede-Loy
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema