ArchivDeutsches Ärzteblatt12/2002Bildungsmisere: Basis in den Familien legen

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Bildungsmisere: Basis in den Familien legen

Dtsch Arztebl 2002; 99(12): A-774 / B-636 / C-595

Adam, Wolfgang

Zur Forderung nach früherer Einschulung unserer Kinder:
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LNSLNS Es fehlt in einem hohen Prozentsatz bei der elterlichen beziehungsweise familiären Erziehung und Betreuung unserer Kinder die helfende, die unterstützende, die kritische Hand! Fast alle Eltern sind heute liebevoll und geben ihren Kindern alle sinnvollen und unsinnigen materiellen Güter wie Fernseher, Videogames und Computer, meist ungebremst.
Bei der Vielfalt an Multimedia können sie das Wesentliche meist nicht. Die grundlegenden Entwicklungen in Motorik, Fantasiespiel, das Zuhören und Sprechen oder Sichkonzentrieren kommen in der liebevollen, aber leider nicht konsequenten Erziehung heutzutage zu kurz. Die Zeit zwischen zwei und sechs Jahren, also die Vorschulzeit, wird bei fast der Hälfte aller Familien nicht genügend genutzt.
Fazit: Bei einem Drittel der Vorschulkinder sollen zahlreiche medizinische Therapien wie Ergotherapie, Krankengymnastik oder Logopädie die Defizite bei unseren Kindern mindern!
Als Kinderarzt ist man heutzutage bei jeder Entwicklungsuntersuchung begeistert, wenn alles in Ordnung ist. Dass spätere Maßnahmen in der Schule nicht mehr greifen, liegt auf der Hand!
Motivation bei den Eltern kann nicht mit mehr Kindergeld erreicht werden, Verhaltensänderungen bei Vater und Mutter kommen nicht durch mehr Freizeit für Eltern. Aus meiner Sicht ist ein radikales gesellschaftliches, politisches, aber auch wirtschaftliches Umdenken nötig, um starke, selbstbewusste und „leistungsstarke“ Kinder in Zukunft zu haben. Es ist wie beim Sport: Eltern müssen Vorbild sein wie ein guter Trainer, sie müssen kritisch sein, anspornen und helfen. Das alles kostet viel Zeit, viel Kraft, und auch die Einstellung bei den Eltern muss stimmen, eben wie bei einem guten Trainer!
Aber ist politisch noch ein gesunder, nicht kommerzieller Sport erwünscht? Spaß beiseite, die Gesellschaft muss hier umdenken und die Basis in den Familien legen!
Dr. med. Wolfgang Adam, Feldstraße 7, 32369 Rahden
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