SUPPLEMENT: Reisemagazin

Lanzarote: Unter den Füßen glüht der Boden

Wendt, Christoph

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Playa Blanca. Foto: Christoph Wendt
Playa Blanca. Foto: Christoph Wendt
Das Loch im Boden ist kaum einen halben Meter tief und vielleicht einen Quadratmeter groß. Der Führer, der uns hier oben in Empfang genommen hat, wirft ein Bündel dürren Reisigs in das Loch. Sofort steigt Rauch auf, nach Sekunden züngeln Flammen. Dieses Experiment ist nur eins von vielen, mit denen das Besondere des Nationalparks Timanfaya auf Lanzarote demonstriert wird. Noch immer ist auf dieser wohl eigenartigsten Kanarischen Insel die Gewalt der unterirdischen Glut erfahrbar, der Beiname „Feuerinsel“ ist verdient.
Glut im Boden
Weiße Strände auf Lanzarote zu finden, bedarf es einigen Glücks, doch es gibt sie: etwa bei La Caleta die kilometerlange helle Playa de Famara. Etwas mühsam nur über Geröllpisten zu erreichen (Geländewagen!) sind die schönen Papagayo-Strände nahe Playa Blanca. Auch wenn die meisten Urlauber auf Lanzarote in erster Linie Badeurlaub suchen, und den das ganze Jahr hindurch, zeigt doch die Nachfrage nach den von örtlichen Veranstaltern angebotenen Ausflügen ins Innere der Insel, dass sich wohl nur wenige den Besuch der Feuerberge und Krater entgehen lassen wollen. Dabei bringt der Ritt auf den Dromedaren durch den schwarzen Vulkansand für die Kameltreiber ein gutes Geschäft und
für die Touristen vorzeigbare Fotos.
Mitten in den Feuerbergen liegt der Mirador de la Montaña Rajada, ein Aussichtsrestaurant, vor dessen Haustüre immer wieder die Selbstentzündung des dürren Reisigs demonstriert wird. In 40 Zentimetern Tiefe herrscht bereits eine Temperatur von 150°, und mit jedem Zentimeter tiefer wächst sie um zehn Grad. Die besondere Attraktion des Mirador ist der Grill im Vorhof. Über einer Bodenspalte, die ins Unsichtbare des Erdinneren führt, ist der Grillrost gelegt. Steaks oder Spieße werden durch die Vulkanglut in kürzester Zeit gegart.
Ringsum erblickt man Krater. In einem Umkreis von vielen Hundert Metern dehnen sich Schlackenhalden, gewaltige Lavafelder, deren Brocken aussehen, als wären sie noch vor wenigen Stunden glutflüssig gewesen. Das alles ist tatsächlich noch erschreckend jung. Ihr heutiges Gesicht bekam die Insel erst vor rund 260 Jahren, als zwischen 1730 und 1736 gewaltige Vulkanausbrüche Lanzarote verwüsteten und weite Teile unter meter-hohen Schlacken und Lavaschichten verschwinden ließen.
Kein Regen
Wie ausgestorben wirkt das Städtchen Teguise in der Mittagszeit. Blendend weiß leuchten die alten würfelförmigen Häuser des Ortes, der einmal Inselhauptstadt war. Ein paar Schulkinder bummeln nach Hause. Hier und da wird in den schön geschnitzten Holzläden vor den Fenstern die kleine Klappe geöffnet, durch die man unbeobachtet die Passanten auf der Straße verfolgen kann. Wir fühlen die Blicke fast im Nacken. Weit über die Feuerberge im Inneren Lanzarotes und über den Norden der Insel geht der Blick von der oberhalb Teguises gelegenen alten Festung. Auf dem Rand eines Kraters wurde sie gebaut. Nach beiden Seiten ist das Meer, der Atlantik, zu sehen, ist doch Lanzarote nirgends breiter als rund 20 Kilometer.
Wie eine afrikanische Oase empfängt uns Haria, dessen kleine, weiße Häuser in einem Wald von Palmen liegen. Blumen ranken an den Häusern hoch, ringsum auf Terrassen gedeihen Rebstöcke. Hier, wo die Vulkankatastrophe des 18. Jahrhunderts nicht alles zerstörte, ist Lanzarote südländisch fruchtbar und wäre sicherlich noch fruchtbarer, hätte man Wasser. Aber es gibt kein Wasser auf Lanzarote. Manchmal regnet es viele Jahre nicht. Die bescheidene Landwirtschaft, die selbst in der Vulkanschlacke betrieben wird, hilft sich damit, dass sie die Pflanzen, vor allem Rebstöcke, in die Asche setzt. Sie saugt nachts den Tau auf und gibt ihn über Tag an die Pflanzen ab. Doch alles Wasser, das die Touristen genießen, muss mit Entsalzungsanlagen dem Meer abgerungen werden.
In der Nordspitze der Insel bietet das 479 Meter hoch in den Berg gebaute Restaurant Mirador del Rio einen spektakulären Blick auf die vorgelagerte kleine Insel Graciosa. Das Gebäude gilt als ein Meisterwerk des 1992 tödlich verunglückten Lanzaroter Malers, Bildhauers, Architekten César Manrique. Dieser bedeutendste und richtungweisende Künstler Lanzarotes hatte seit 1968 versucht, das einzigartige Landschaftsbild der Insel zu schützen. Seine bedeutendsten Werke gelten als die „sieben Kunstwunder“ von Lanzarote. Dazu gehören insbesondere sein in die Lava gebautes, heute als Museum dienendes Wohnhaus, das Restaurant El Diabolo in den Feuerbergen und die als Konzertsaal gestaltete Höhle Jameos de Agua.
Arrieta ist ein kleiner Fischerort, Lanzarotefreunden längst bekannt als Idyll unter den Hafenplätzen der Insel. Nirgends essen wir auf Lanzarote zarteren Tintenfisch, trinken wir besseren Landwein vom Fass und sitzen wir schöner
dabei als in der kleinen Bar von Arrieta, gleich neben den Fischerbooten im Hafen an schiefen alten Holztischen, und das Wasser des Atlan-
tiks spült über die Lavablöcke am Ufer fast auf unsere
Füße. Christoph Wendt

c Auskünfte entweder bei den Reisebüros oder vom Spanischen Fremdenverkehrsamt, Grafenberger Allee 100, 40237 Düsseldorf, Telefon: 02 11/6 80 39 80, Fax: 6 80 39 85.
Zentrale Auskunftsstelle auf Lanzarote ist Patronato de Turismo, Antiguo Parador de Turismo,
E-35500 Arecife, Telefon: 00 34/28-81 17 62, Fax: 80 00 80.
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