ArchivDÄ-TitelSupplement: ReisemagazinSUPPLEMENT: Reisemagazin 1/2002Indonesien/Java: Das Land der Tempel und Vulkane

SUPPLEMENT: Reisemagazin

Indonesien/Java: Das Land der Tempel und Vulkane

Dtsch Arztebl 2002; 99(12): [10]

Unverzagt, Gesine

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Blick von Borobudur mit seinen Stupas in Yogyakarta Fotos: Gesine Unverzagt
Blick von Borobudur mit seinen Stupas in Yogyakarta Fotos: Gesine Unverzagt
Jakarta bedeutet organisiertes Chaos. Fliegende Händler, rollende Garküchen, überladene Handkarren, zahllose Mopeds, stinkende Dreiradtaxis, Uraltautos und Edelkarossen. Alle fahren wild durcheinander durch Scharen von Fußgängern, die sich bemühen, schadlos die Straße zu überqueren. Essen kann man an jeder Ecke, zu jeder Tages- und Nachtzeit. Elendsviertel reihen sich an modernste Glasarchitektur. Im alten Hafen von Jakarta, Sunda Kelapa, ist nicht mehr viel los, aber Frachtsegler aus Holz wie vor 300 Jahren sind noch zu besichtigen. In Altjakarta, Batavia, ist das „Café Batavia“ ein Muss. Bei kolonialem Flair, unter sich drehenden Ventilatoren, genießen wir einen Gin Tonic. Nach der Hektik des Molochs Jakarta finden wir Ruhe in einer Oase des guten Geschmacks und stilvollen Ambientes, im Dharmawangsa Hotel. Das im noblen Wohnbezirk Kebayoroan Baru gelegene Luxushotel empfängt mit einem Spalier von traditionell gekleideten Angestellten. Vor dem Zimmer wartet unser „personal butler“. Während wir im großzügigen Pool unter knorrigen Franchipanibäumen schwimmen, packt Yun Koffer aus, putzt Schuhe. Danach präsentiert er eine kunstvolle Schokoladenkreation. „With compliments“, sagt er und verbeugt sich lächelnd. Zwei Tage lassen wir uns verwöhnen, danach sind wir fit für die Java-Tour. Kurz nachdem wir die Vierzehn-Millionen-Metropole hinter uns gelassen haben, wird es ländlich. Limousinen werden von Ochsenkarren und Mopeds abgelöst. Kein Wunder, dass sich Bogor zum beliebten Ausflugsziel der gestressten Bewohner Jakartas entwickelt hat. In der idyllischen Kleinstadt, wo ein Vulkan die Kulisse bildet, prägen Bejaks und Pferdekutschen das Straßenbild. Besonders stolz sind die Einwohner auf den Botanischen Garten, ein 87 Hektar großer Park und einer der berühmtesten botanischen Gärten der Welt.
Hanuman und Rama: Tänzer aus dem Epos des Ramayana
Hanuman und Rama: Tänzer aus dem Epos des Ramayana
„Paris von Java“ nannten die Holländer Bandung mit den baumbestandenen Boulevards und den prächtigen Bauten. Wegen des milden Klimas siedelten sich hier die reichen Plantagenbesitzer an. Ein Relikt aus der Kolonialzeit sind die Konditoreien mit süßen Leckereien. Die Zeiten haben sich jedoch gewandelt: In der modernen Stadt werden heute Computer und Flugzeuge hergestellt. Nördlich von Bandung besuchen wir den sagenumwobenen Vulkan Tangkuban Prahu. Der Blick in den Hauptkrater, wo unter einer hauchdünnen Decke das Erdinnere brodelt, ist eindrucksvoll. Glitzernde Schwefelab-lagerungen und ein intensiver Schwefelgeruch verstärken den unwirklichen Eindruck. Wer will, kann unterhalb des Vulkans in dem Erholungsort Maribaya in den heißen Quellen baden oder im dazugehörigen tropischen Garten lustwandeln.
Dorf Kampung Naga
Auf dem Weg in Richtung
Yogyakarta besuchen wir das sundanesische Dorf Kampung Naga, ein authentisches javanisches Dorf mit etwa einhundert Häusern, wo noch alte Rituale gepflegt werden. Um das Dorf zu erreichen, müssen wir über zahlreiche Stufen, begleitet vom Gezirpe der Zikaden, tief ins Tal hinabsteigen. Das Dorf aus dem 16. Jahrhundert ist ein Vorzeigedorf mit schönen, traditionellen Häusern, an denen ein Bach vorbei-
fließt. Während am Ufer Kinder angeln, waschen Frauen Wäsche, und Männer basteln Korbwaren aus Bambus. Dazwischen wuseln zahlreiche Kleinkinder und Hühner. Hier gibt es keinen Strom, man lebt von Landwirtschaft und vom Kunsthandwerk.
Die Straße in östlicher Richtung ist von fruchtbaren Reisfeldern und Bananenplantagen gesäumt. Immer wieder tauchen gigantische Vulkankegel auf. Es ist eine abwechslungsreiche Landschaft mit grünen Reisterrassen und Teeplantagen.
Wir erreichen Yogyakarta, Yogya genannt. Die Stadt ist das geistige und kulturelle Zentrum Javas, sie hat viel zu bieten. Am Abend besuchen wir eine Ramayana-Vorführung. Unter sternenklarem Himmel bewundern wir die auf der Bühne sich grazil bewegenden Tänzer. Die in eleganten Kostümen gekleideten Darsteller werden von einem Gamelanorchester begleitet. Fledermäuse überfleuchen die Darsteller, in der Ferne ruft der Muezzin zum Gebet.
Zurück zum Hotel nehmen wir Bejaks, Fahrradrikschas. Es geht vorbei an Garküchen, deren Duft sich mit dem Geruch der Nelkenzigaretten und der Abgase vermischt. Lautlos gleiten wir durch enge Gassen, Ampeln werden überfahren, geschickt wird das Dreirad durch das Menschengewühl gelenkt. Obwohl die Straßen schlecht beleuchtet sind, kommt kein bedrohliches Gefühl auf. Die Bejakfahrer sind wegen des überdurchschnittlichen Verdienstes hoch motiviert, uns die schönsten Seiten der alten Sultansstadt in der Nacht zu zeigen.
Am folgenden Tag wollen wir den Sultanspalast besichtigen. Über die Jalan Malioboro, wo das moderne „Yogya“ pulsiert, geht es schnurgerade zum Kraton. In den weiten Höfen, von mehreren Mauern umgeben, herrscht eine meditative Atmosphäre. Beim Rundgang durch den Palast begleiten Palastwächter die Touristen, gekleidet
im traditionellen Batiksarong mit einen Kris, einem zweischneidigen Dolch. Nach dem Eintauchen in die javanische Kultur besuchen wir den Vogelmarkt. Dort werden wir von lautem Gezwitscher und Gekrähe empfangen. In Bambuskäfigen warten in großer Artenvielfalt gefiederte Sänger auf Käufer, die sich oftmals erst nach langwierigem Begutachten für den Kauf entscheiden.
Tempel von Prambanan
Für Liebhaber alter Baudenkmäler ist die mächtige Tempelanlage von Prambanan mit
einer Ausdehnung von mehreren Quadratkilometern Pflichtsehenswürdigkeit. Die Anlage ist das hinduistische Pendant zum buddhistischen Borobudur und entstand Ende des
neunten Jahrhunderts.
Es ist früh am Morgen, die Luft feucht und warm. Ziel
ist die größte Manifestation des Weltbuddhismus, der
Borobudur-Tempel. Nach einstündiger Autofahrt, die Sonne ist inzwischen aufgegangen, erreichen wir das Reiseziel. Dunkel erhebt sich das imposante Zeugnis buddhistischer Blütezeit aus der Landschaft. Wir sind fast allein. Vögel zwitschern, die Temperaturen sind noch angenehm. Gegenüber löst sich langsam der gewaltige Merapivulkan aus dem Frühnebel. Aus der Kegelspitze quellen Dämpfe. Die größte Pagode der Welt, zwischen 780 und 850 erbaut, war tropisch überwuchert und wurde erst 1814 wiederentdeckt. Aus dem quadratischen Grundriss von 123 m Seitenlänge wachsen neun Terrassen zu einem
33,5 m hohen Hügel an. Der Rundgang auf den Terrassen zeigt Reliefs, die Stationen aus dem Leben Buddhas darstellen. Auf der obersten Terrasse ruhen 72 glockenförmige Stupas. Von hier hat man einen Rundblick auf den dampfenden Vulkan.
Seit der Krise in Indonesien ist das Überleben schwer geworden. Die Arbeitslosigkeit ist enorm und die Not groß. Die Hoffnung auf ein wenig Reis bilden die Touristen, die das gebeutelte Land besuchen. Gesine Unverzagt

Teepflückerinnen in Zentral-Java
Teepflückerinnen in Zentral-Java
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Reise-Tipps
Anreise: Die Garuda Indonesia fliegt viermal wöchentlich ab Frankfurt/Main nach Jakarta ab 670 €.
Veranstalter: Eine Java-Rundreise kostet bei Meier’s Weltreisen ab Deutschland ab 1 020 € oder bei Asia Select eine sechstägige Rundreise Jakarta–Yokyakarta einschließlich HP und deutschsprachigem Guide ab 462 € pro Person.
Gesundheit: Tropeninstitut informiert, ob Malariaprophylaxe nötig ist.
Impfungen gegen Typhus und Hepatitis sind empfehlenswert.
Klima: Temperaturen schwanken im Jahresverlauf kaum. Tropisches Klima. Von November bis März Regenzeit.

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