SUPPLEMENT: Reisemagazin

Laos: Am Goldenen Dreieck

Dtsch Arztebl 2002; 99(12): [14]

Petter, Gesine

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Wat Ho Phra Bang – in Luang Prabang. Fotos: Gesine Petter
Wat Ho Phra Bang – in Luang Prabang. Fotos: Gesine Petter
Sabai Dii, willkommen in Laos!“ Der freundlich lächelnde Mann mit strubbeligem Schwarzhaar heißt Somphet und wird uns als Guide durch Laos begleiten. Er spricht Deutsch, denn er hat in Leipzig Germanistik studiert. „Mein Lieblingsautor ist Theodor Storm“, erzählt er. Vientiane ist wirtschaftliches und politisches Zentrum der Laotischen Demokratischen Volksrepublik und mit 170 000 Einwohnern eine überschaubare Hauptstadt. Es ist keine besonders schöne Stadt, denn Kriege führten immer wieder zur totalen Zerstörung der Kapitale am Mekong. Heute sieht man überwiegend Zweckbauten neben übrig gebliebenen französischen Kolonialhäusern mit Charme. Anziehungspunkt für Einheimische und Besucher ist die Uferpromenade. Hoch oben auf den Uferböschungen, die als Deich dienen, sind zahlreiche Restaurantterrassen entstanden mit laotischer und internationaler Küche. Bei einem opulenten Mahl genießen wir den Blick auf das Treiben der kleinen, bunten Holzboote auf dem Fluss – im Hintergrund die Freundschaftsbrücke, die Verbindung über dem Mekong nach Thailand. Das Wahrzeichen der Stadt und Nationalheiligtum ist der That Luang, eine goldfarben bemalte Stupa, die seit 1991 das Staatswappen ziert. Der berühmteste Tempel ist der Wat Phra Keo. Die Anlage, die für den Smaragd-Buddha erbaut wurde, ist heute ein Museum.
Kulturpark von
Hmongfrau präsentiert stolz ihre Tracht.
Hmongfrau präsentiert stolz ihre Tracht.
Laos
Somphet möchte etwas Besonderes zeigen – im Süden. Plötzlich hören wir Musik. „Das ist der Kulturpark der laotischen Völker“, erklärt er, „sonntags ist hier häufig etwas los.“ Auf
einer Bühne mitten im Park finden Aufführungen statt. Schüler, gekleidet in Trachten der unterschiedlichen Stämme des Landes, singen und tanzen. Es duftet köstlich, denn an kleinen Ständen werden laotische Gerichte in Woks gebrutzelt. Neugierig werden wir, die einzigen Fremden, beobachtet und freundlich angelächelt.
26 km von Vientiane entfernt erreichen wir den Buddhapark. Es ist eine Art buddhistisches Disneyland mit gigantischen Betonfiguren aus der indischen, buddhistischen und laotischen Mythologie. Auch das Bildnis eines dreiköpfigen Elefanten entdecken wir, das Symbol des laotischen Königshauses. Es scheint ein beliebtes Ausflugsziel von Großfamilien zu sein, die sich zwischen den riesigen Figuren zum Picknick ausgebreitet
haben.
Laos’ Königsstadt ist Luang Prabang. Der Ort liegt im nördlichen Teil des Landes, er ist einer der schönsten Bergorte Asiens. Die kleine Stadt, auf einer Halbinsel zwischen dem Mekong und dem Fluss Nam Khan ge-
legen, übertrifft jede Erwartung. Wegen seiner erhaltenen Ursprünglichkeit ist Luang Prabang seit 1995 auf der UNESCO-Liste ein Weltkulturerbe. Aber nicht nur das kulturhistorische Zentrum, sondern auch die Umgebung mit den labyrinthischen Flussläufen, tosenden Wasserfällen und den fruchtbaren Anbaugebieten geben dem Ort seinen besonderen Reiz. Bevor wir beginnen, die Tempelstadt zu besichtigen, genießen wir einen Tee mit Blick auf den Mekong. Wir schauen auf den Fluss und auf die Bauern, die auf dem fruchtbaren Boden des Schwemmlandes den Gemüseanbau bewässern. Mit dem Tuk Tuk unterwegs Ein bunt bemaltes Dreiradtaxi, ein Tuk Tuk, nähert sich langsam. Somphet zeigt die Stadt der Tempel und Klöster. Zum ehemaligen Königspalast führt eine von hohen Zuckerpalmen gesäumte Allee. Das heutige Museum wurde bis 1975 von der königlichen Familie bewohnt, die später in Umerziehungslager gesteckt wurde, wovon sie nicht zurückkehrte. Neben den Privaträumen der Familie kann der Gast Sammlungen bestaunen – wie Gastgeschenke ausländischer Regierungen. Die berühmteste Tempelanlage ist Wat Xieng Thong; sie wurde 1560 im Stil des laotischen Nordens mit den fast bis zum Boden gezogenen Dächern und mit reicher Innenausstattung der Dachbalken und Sparren erbaut. Wat Visoun, eine weitere Tempelanlage, beherbergt eine Sammlung von hölzernen und steinernen Buddhafiguren. Unter einem prächtigen Bodhibaum vor dem Wat Aham hält ein in orange Tücher gehüllter Mönch ein Schwätzchen mit einem Ortsbewohner. Aus dem Tempel ist das Klingeln von Glöckchen zu hören. Dort hocken junge Mönche am Boden und beten zu einer hoch heraufragenden, goldfarbenen Buddhafigur. Luang Prabang ist religiöses Zentrum des Landes und eine Stadt der inneren Ruhe. Mönche gehören zum Straßenbild. Es gibt 38 buddhistische
Tempel, alle mit Gold verziert. Jeder Mann wird in Luang Prabang im Laufe seines Lebens einmal Mönch – für ein Jahr oder länger. Beten, meditieren und Tempel pflegen, das ist ihr Leben. Auf dem Markt wird verhandelt, gefeilscht, und Neuigkeiten werden ausgetauscht. Es herrscht ein buntes Treiben zwischen den zum Teil in Stammestrachten gekleideten Minoritäten. 15 verschiedene Völker treffen aufeinander mit stammestypischen Sitten und Riten, mit jeweils einer anderen Sprache, Kleidung und mit anderen Göttern und Geistern.
Vollmondfest bei den Hmong Somphet hat erfahren, dass die Hmong ein Vollmondfest feiern. Schön und fremd sehen die Hmong aus in ihrer schwarzen Tracht, mit den hohen Wangenknochen, der rotbraunen Haut und den schrägen Augen. Das Lächeln wird häufig durch das Aufblitzen goldener Vorderzähne erhellt. Auf einem liegenden Baumstamm sitzend, können die traditionellen Gebräuche beobachtet werden, zum Beispiel das Flirten: Männer und
Frauen stehen sich in Reihen gegenüber und werfen sich Orangen hin und her. Während dieser Kontaktaufnahme wird geplaudert, gekichert und gelacht. Sie sind alle so beschäftigt, dass wir Langnasen kaum beachtet werden. Im Dorf Ban Phanom weben die Lao-Theung-Frauen Seidentücher und Stoffe in traditionellen Mustern. Es sind besonders edle Webereien; immer wieder wird noch ein schöneres Stück hervorgeholt. Nach langem Handeln verlassen wir das Dorf mit fünf Tüchern in der Tasche, eines schöner als das andere. Gesine Petter

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Pauschalreisen: Rundreisen durch
Laos werden von verschiedenen Reiseveranstaltern angeboten. Eine zweitägige Bootstour auf dem Mekong zum Goldenen Dreieck nach Thailand kostet zum Beispiel bei Tischler Reisen ab 736 € pro Person. Tischler Reisen GmbH, Partnachstraße 50, 82467 Garmisch-
Partenkirchen; Telefon: 0 88 21/9 31 70; Fax: 0 88 21/7 86 41.
Anreise: Thai Airways fliegt täglich von Frankfurt/Main nach Bangkok ab
796 €. Von dort aus nach Vientiane eine knappe Stunde Flugzeit.
Reisezeit: Günstige Reisebedingungen bestehen von Oktober bis Februar.

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