Supplement: Reisemagazin

Malta: Eiland mit alter Kultur

Dtsch Arztebl 2002; 99(12): [16]

Thalheimer, Trudy

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Luzzu-Fischerboote im Hafen von Marsaxlokk. Fotos: Trudy Thalheimer
Luzzu-Fischerboote im Hafen von Marsaxlokk. Fotos: Trudy Thalheimer
M alta lockt mit Sonne, Strand und Meer, aber auch mit Tempel-
anlagen, die älter sind als die Pyramiden von Kairo. Dazu ist Malta ideal zum Überwintern und ein Dorado für Aktivurlauber. Malta lohnt nicht nur einen großen Jahresurlaub, sondern auch einen Kurztrip. Dabei bietet die 30 Kilometer lange Insel eine ganze Reihe an edlen 5-Sterne-Hotelanlagen, dazu Strände, teils Fels, teils Sand. Wer sich von einer 7 000 Jahre alten Kultur angezogen fühlt, wird auf Malta ebenfalls fündig. An etwa 28 Sonntagen im Jahr haben die Besucher besonderes Glück, denn nur dann wird das „In Guardia“- Spektakel präsentiert, das an die langjährige Belagerung Maltas im 16. Jahrhundert durch die Türken erinnert. Die aufwendig gestaltete Truppenparade findet in der Hauptstadt La Valletta im authentischen Fort St. Elmo statt. Mit seinen trutzigen Befestigungsmauern hatte das Fort schon die Türken zur Verzweiflung gebracht. Dutzende von Komparsen stellen in ihren originalgetreuen Ritterrüstungen jenen heldenhaften Kampf nach. Sie verzichten nicht auf ohrenbetäubenden Kanonendonner. Während sie sich einst in ihren farbenfrohen Uniformen dem militärischen Gegner stellen mussten, posieren die Freizeitsoldaten heute nur noch vor den Kameras der Schaulustigen. Wer anschließend noch mehr über die spannende Geschichte Maltas erfahren will, begibt sich in die Multivisions-Show „The Malta Experience“. Diese wird gleich neben dem Fort St. Elmo mehrmals täglich in einem theaterähnlich umgebauten ehemaligen Kellergewölbe präsentiert.
Unter Denkmalschutz
Der hier gezeigte Bogen spannt sich von der vorgeschichtlichen Zeit über die angebliche Landung des Apostels Paulus in der gleichnamigen Bucht bis hin zu den Rittern des Johanniterordens, die für die tapfere Verteidigung der Inseln verantwortlich waren. Viel Raum wird auch der jüngeren Geschichte gewidmet. Schließlich gehörten die Orte Maltas im Zweiten Weltkrieg zu den wiederholt bombardierten Städten.
Durch die landestypische Bauweise mit Globigerinen-Kalkstein konnten alle Schäden schneller beseitigt werden, als es mit Beton und Stahl jemals möglich gewesen wäre. Innerhalb der gewaltigen Stadtmauern sind es vor allem die prunkvollen Paläste und Herbergen, die Valletta zu einem Kleinod werden ließen. Hier residierten einst die Großmeister des Johanniterordens. Deshalb verwundert es nicht, dass die Stadt heute unter Unesco-Denkmalschutz steht. Zahlreiche enge Sträßchen durchziehen die schachbrettartig angelegten Häuserschluchten. Am Ende beinahe jeder Gasse prunkt eine majestätische Kathedrale. Daneben sind schöne Exemplare der typisch maltesischen Balkone zu entdecken. Oft grün, braun oder blau bemalt, zeigen sie überdeutlich den immer noch vorhandenen arabischen Einfluss auf die Architektur – kein Wunder, schließlich liegt Malta als südlichster Staat Europas nur 290 Kilometer von der nordafrikanischen Küste entfernt. Allerdings hüte man
sich, trotz der geographischen Nähe, in Anwesenheit von Maltesern Vergleiche mit den arabischen Völkern zu ziehen. Sich anbahnende Freundschaften könnten sonst leicht ein jähes Ende finden. Malta orientiert sich in Richtung Europa.
„In Guardia“: Farbenprächtiges Historienspektakel im Fort „Sal Elmo“, Valletta
„In Guardia“: Farbenprächtiges Historienspektakel im Fort „Sal Elmo“, Valletta
Bis 1964 war die Inselrepublik britische Kolonie; sie gehört auch heute noch zum Commonwealth. Dieser Tatsache und dem milden und trockenen Klima ist es zu verdanken, dass bis heute vor allem Oldtimer-Fahrzeuge britischer Autobauer erhalten geblieben sind. Nirgendwo sonst finden sich so viele historische Statussymbole aus den Fünfziger- und Sechziger-jahren wie auf Malta. Fans sind begeistert und wundern sich, dass diese betagten Gefährte überhaupt noch in der Lage sind, die stark steigenden und verwinkelten Gassen von Valletta zu bewältigen.
Es ist dem steilen und felsigen Untergrund der Halbinsel zu verdanken, dass jeder Stadtbummel beinahe schon einem Ausflug ins Hochgebirge gleicht. Valletta: beschaulich So dicht der Verkehr und so verstopft die Gassen tagsüber auch sind: Nach Büroschluss wirkt Valletta wie ausgestorben. Wer das Nachtleben sucht, ist an den Flaniermeilen der Nachbarorte Sliema und St. Julian’s wesentlich besser aufgehoben. Zahlreiche Hotelanlagen und Restaurants reihen sich hier aneinander. Im Spielcasino und den Diskotheken kann man die Nacht problemlos zum Tag werden lassen. Weniger überzeugen dagegen die für diese Ballungsregion so typischen Felsenstrände. Sie sind zwar perfekt zum Sonnenbaden und für den Wassersport geeignet, Familien mit Kleinkindern sind aber eher die feinsandigen Buchten im Norden und Süden zu empfehlen.
Um Malta kennen zu lernen, kann man sich mit öffentlichen Verkehrsmitteln auf den Weg machen, sich einer organisierten Tour anschließen oder ein Auto mieten. Allerdings sind Vorsicht und ein gehöriges Maß an Gelassenheit zu empfehlen. Einerseits gilt auf Malta Linksverkehr, andererseits entspricht der Zustand des Straßenbelages nicht immer dem europäischen Standard. Auch Beschilderungen gehören nicht zur Stärke der Straßenplaner. Deshalb sollte man sich auch nicht ohne Karte auf den Weg machen, sonst verpasst man Maltas kulturhistorisch bedeutsamste Stätte: die als Hypogäum bezeichnete beeindruckende unterirdische Tempelanlage von Hal-Saflieni, die nach langjähriger Restaurierungsarbeit erst kürzlich wieder für die Öffentlichkeit freigegeben wurde. Vor 6 000 Jahren begannen die Bauarbeiten; es dauerte mehrere Jahrhunderte, bis diese vier Stockwerke tiefe Anlage mit Flint und Obsidian aus dem Fels herausgehauen war. Bis zum rätselhaften Verschwinden des mysteriösen Volkes von genialen Baumeistern
etwa 2000 v. Chr. diente das Hypogäum nicht nur als Kult-, sondern auch als Begräbnisstätte, wie die dort entdeckten Gebeine von mehr als 7 000 Menschen beweisen. Derartige Zeugnisse einer geheimnisvollen jungsteinzeitlichen Hochkultur begegnen dem historisch Interessierten beinahe auf Schritt und Tritt. Berühmt sind vor allem die gewaltigen Megalith-Tempelanlagen von Ggantija, Hagar Qim, Mnajdra und Tarxien – kein Wunder, zählen sie doch zu den ältesten neolithischen Kultstätten Europas, mehr als 1 500 Jahre älter als Stone-henge. Trotz intensiver Forschungen ist es für die Wissenschaft immer noch rätselhaft, wie die dort gefundenen bis zu 50 Tonnen schweren Steinblöcke mit den primitiven Werkzeugen jener Zeit transportiert, angehoben und miteinander verkeilt werden konnten. Die wichtigsten und schönsten Funde aus diesen gigantischen Bauwerken, darunter auch die berühmte „Schlafende Frau“ aus dem Hypogäum, kann man heute im Nationalen Archäologischen Museum in Valletta
bewundern, das in der Auberge de Provence untergebracht ist. Trudy Thalheimer

Reise-Tipps
Anreise: Täglich Flüge mit Air Malta (Buchung unter: Telefon: 0 69/9 20 35 21, Fax: 9 20 35 52, E-Mail: office@airmalta.de oder in jedem Reisebüro)
Reiseveranstalter: reba-Touristik (Telefon: 0 71 61/8 81 99, Fax: 81 72 01, E-Mail: MaltaReisen@aol.com), Roscher Tauchreisen (Telefon: 0 22 34/
96 70 96, Fax: 96 70 97, E-Mail: tauchreisen-roscher@t-online.de)
Informationen: Fremdenverkehrsamt Malta, Schillerstraße 30–40, 60313 Frankfurt/Main, Telefon: 0 69/28 58 90, Fax: 28 54 79, E-Mail: info@urlaubmalta.de, Internet: www.urlaubmalta.de
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