Supplement: Reisemagazin

Usedom: Die Kaiserlichen Drei

Dtsch Arztebl 2002; 99(12): [18]

Gabriel, Marie-Luise

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Ahlbeck: Seebrücke. Fotos: Stephan Gabriel
Ahlbeck: Seebrücke. Fotos: Stephan Gabriel
Perlenkettengleich liegen die drei bekanntesten Seebäder Usedoms an dem 40 Kilometer langen weißen Strand, der sich auf der gesamten Insellänge vom Peenemünder Haken bis zur polnischen Grenze hinzieht. Anderswo mag es regnen – auf Usedom scheint die Sonne: satte 1 906 Stunden im Jahr. Sie schien einst auch auf glänzendes Kaiserzeitflair und nobelsten Glanz des einstigen Fischerörtchens Heringsdorf, das seinen Namen der Verlegenheit des Ho-henzollernprinzen Friedrich Wil-helm (später König Friedrich Wil-helm IV. von Preußen) verdankt. Von den Fischern nach einem geeigneten Namen gefragt, sah er die Herings-
fässer – und schlug Heringsdorf vor. Es wurde zum „Nizza des Ostens“, zum Modebad der Aristokratie und der Reichen. Ein markanter Spruch lautete: „Kaiser, Künstler, Bettelmann trifft man in den
Bädern an.“
Jetzt hat es den Anschluss an die noble Vergangenheit gefunden, will wieder so elegant werden wie zu Kaisers Zeiten, als die erlauchten Gäste so dicke Uhrketten trugen, „dass man einen Bären daran hätte anbinden können“.
Kaiserzeitflair umfängt uns wieder: Heute reihen sich die behutsam restaurierten Gründerzeitvillen wie zu einem Schönheitswettbewerb aneinander. Wer weiß heute noch, in welcher Villa damals der Reichs-
marschall des „Tausendjährigen Reiches“, Hermann Göring, oder später der DDR-Geheimdienstminister Erich Mielke wohnte?
Die neue Seebrücke ist mit 508 Metern die längste Kontinentaleuropas (die alte wurde 1958 durch Brandstiftung zerstört). An dieser Flaniermeile mit Boutiquen, Discos und Cafés ist zu erkennen, dass die Zukunft schon begonnen hat. Heringsdorf ist auf dem besten Weg zum Mode- und
Promibad.
Die Sonne ist hier zu Hause – und auch der Schatten:
In Heringsdorf steht die älteste Strandkorbfabrik, gegründet 1925. Auch die anderen zwei von den „Kaiserlichen Drei“ sind herausgeputzt:
Ahlbeck und Bansin. Ahlbeck, Usedoms größter Badeort (4 500 Einwohner) hat seinen Ursprung in einem um 1800 gegründeten Fischerdörfchen und prunkt mit seiner historischen Seebrücke. Wie oft ist da schon auf den Auslöser gedrückt worden. Rotes Dach mit grünen Ecktürmchen, ein Baujuwel aus der Gründerzeit. Selbst Loriot nutzte den imposanten Bau 1991 als Kulisse für den Film: „Pappa ante portas“.
Die Seebrücken entstanden in den Jahren, als die Gäste auf dem Wasserweg in die Badeorte gebracht werden mussten. Heute fahren wir nicht mit dem weiß-blauen „Kaiserbäder-Express“, dem kleinen Bollerzug, zwischen den Seebädern und benutzen auch nicht die mehr als 200 Kilometer Radwege, heute erwarten uns Hans und Lotte – angespannt vor der hundertjährigen Auguste-Viktoria-Kutsche. Eine Fahrt durch die Landschaft des Hinterlandes verspricht der pommersche Kutscher. Im Trab geht es durch Alleen. Ein grüner Dom, über dem sich die Baumspitzen berühren. Wir fahren durch Bansin. Es leuchten die Pastellfarben der restaurierten alten Villen, herausgeputzt in Zartrosa bis Hellgrün – eine Riviera des Ostens.
Über den Rücken der Pferde erleben wir die Natur: Schilf umgibt das schimmernde Blau der Seen, Eichenwälder wechseln sich mit Straßendörfern ab, ein Storch stakst durch das blumengesprenkelte Wiesenland. Der Charme der Insel eröffnet uns das stille Hinterland. Ab und zu erinnert ein marodes Haus noch an die Vorwendezeit. Doch die Schön-
heit der Landschaft lässt über „Schönheitsfehler“ hinwegsehen.
Die Natur hat diese Insel in Jahrtausenden geformt, ein Mosaik aus weiten Sandstränden, Wäldern, Mooren und Seen zwischen Ostsee, Achternwasser und Haff. Ein wirklich kaiserliches Urlaubsver-
gnügen. Marie-Luise Gabriel

Reise-Tipps
Auskünfte: UTG-Usedom Tourismus GmbH, Buchungszentrale, Bäderstraße 5, 17459 Seebad Ückeritz; Telefon: 03 83 75/2 34-10, Fax: 03 83 75/2 21 52; www.usedom.de und: utg.info t-online de
Anreise: Mit dem Auto: nördlich über die B 111 (Wolgast) oder südlich über die B 110 (Zecherin). Vom 23. April bis 15. Oktober 2002 jeden Dienstag Busverbindung von Hamburg aus nach Usedom: Globetrotter Reisen, Telefon: 0 41 08/43 03 30. Mit dem Reisezug IR „Urlaubsexpress Mecklenburg-Vorpommern“ ab 1. Juni 2002 wöchentlich direkt zwischen Usedom und Köln.
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