ArchivDeutsches Ärzteblatt12/2002Antibiotika: Neues Chinolon umfasst alle relevanten Keime

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Antibiotika: Neues Chinolon umfasst alle relevanten Keime

Dtsch Arztebl 2002; 99(12): A-800 / B-680 / C-648

Vetter, Christine

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LNSLNS Sowohl bei Atemwegs- als auch Harnwegsinfekten, aber auch bei Weichteilinfektionen und sogar bei der Chemoprophylaxe und Therapie einer Milzbrandinfektion bieten sich seit kurzem erweiterte Therapiemöglichkeiten. Seit November 2001 steht mit Gatifloxacin ein weiteres modernes Chinolon der Grupppe IV nach PEG zur Verfügung, das sich durch ein breites Wirkspektrum auszeichnet. Die Substanz ist effektiv wirksam gegen grampositive wie auch gramnegative Bakterien inklusive Pneumokokken und Staphylokokken, gegen atypische und intrazelluläre Erreger wie Chlamydien, Mykoplasmen und Legionellen und auch gegen Bacillus Spezies.
„Der Wirkstoff wird vom Center of Disease Control sogar als eine der Möglichkeiten zur Chemoprophylaxe einer potenziellen Anthrax-Infektion genannt“, berichtete Prof. Wolfgang Heizmann (Laborzentrum Berlin) bei einer Pressekonferenz der Firma Grünenthal in Wien.
Hauptindikationsgebiete des neuen Chinolons aber sind Atemwegs- und Harnwegsinfektionen. So entfalte der Wirkstoff eine sehr gute antibakterielle und sogar bakterizide Wirksamkeit bei der ambulant erworbenen Pneumonie wie auch bei akuten Exazerbationen chronischer Bronchitiden, berichtete Prof. Tom Schaberg (Rotenburg).
Er stellte die Daten einer multizentrischen Doppelblindstudie bei 414 Patienten mit akuter Exazerbation einer chronischen Bronchitis (AECB) vor, die entweder einmal täglich 400 mg Gatifloxacin (Bonoq®) erhielten oder dreimal täglich 625 mg Amoxicillin/Clavulansäure. Das Chinolon wurde nur fünf Tage lang verabreicht, mit Amoxicillin/Clavulansäure aber wurde zehn Tage lang behandelt. Trotz der unterschiedlichen Therapiedauer erwiesen sich die beiden Therapieregime in ihrer klinischen Wirksamkeit als ebenbürtig, die Heilungsraten lagen in beiden Gruppen bei 80 Prozent. Bei den bakteriologischen Erfolgsraten aber ergab sich eine leichte Überlegenheit des Chinolons.
Überlegenheit bei bakteriologischer Heilungsrate
Ähnlich fiel das Ergebnis einer Studie bei 286 Patienten mit ambulant erworbener Pneumonie aus, die jeweils fünf bis 14 Tage lang mit 400 mg Gatifloxacin einmal täglich oder alternativ mit zweimal täglich 500 mg Clarithromycin behandelt wurden. Auch in dieser Studie ergaben sich vergleichbare klinische Erfolgsraten (92 respektive 93 Prozent), bei der bakteriologischen Heilung aber sei eine „diskrete, wenngleich statistisch signifikante Überlegenheit des Gatifloxacins“ erkennbar gewesen, berichtete der Arzt.
So war die bakteriologische Erfolgsrate mit 96,8 Prozent unter Gatifloxacin höher als unter Clarithromycin (91,1 Prozent). In einer Vergleichsstudie des Chinolons zu Amoxicillin/Clavulansäure ergab sich bei gleicher klinischer Wirksamkeit ebenfalls ein Vorteil bei der bakteriellen Eradikationsrate.
Eine weitere Indikation für die Verabreichung eines Chinolons ist bei komplizierten Harnwegsinfekten gegeben; auch bei dieser Indikation zeichnen die Studien nach Prof. Kurt Naber (München-Straubing) ein ähnliches Bild. So wurde in Vergleichsstudien von Ciprofloxacin (zweimal täglich 500 mg) und Gatifloxacin (einmal täglich 400 mg) bei gleicher klinischer Heilungsrate ebenfalls ein Vorteil bei der bakteriologischen Eradikationsrate für Gatifloxacin gesehen.
Das neue Chinolon stellt nach Naber aufgrund seines breiten antibakteriellen Spektrums und seiner guten pharmakokinetischen Eigenschaften eine Substanz dar, die sich gut zur empirischen und gezielten Behandlung bei unkomplizierten wie auch komplizierten Harnwegsinfekten eignet. Hinzu kommt, dass sich die einmal tägliche Gabe günstig auf die Compliance auswirkt. Gatifloxacin wird gut vertragen. Die Substanz wurde mittlerweile bei mehr als 15 000 Patienten im Rahmen klinischer Studien eingesetzt und weltweit rund drei Millionen Mal angewandt, ohne dass schwere Nebenwirkungen beobachtet worden wären. Christine Vetter
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