ArchivDeutsches Ärzteblatt12/2002Aktien: Schöne heile Börsenwelt?

VARIA: Schlusspunkt

Aktien: Schöne heile Börsenwelt?

Dtsch Arztebl 2002; 99(12): [100]

Rombach, Reinhold

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LNSLNS In der letzten Woche im Februar und der ersten im März legte die Deutsche Börse eine fulminante Hausse hin. Erste Anzeichen eines Konjunkturfrühlings in den USA seien für den satten Kursanstieg auf über 5 300 Indexpunkte im DAX verantwortlich, meinten die Experten.
Kaum jemand hatte mit einer Aufwärtsbewegung in einer solchen Breite gerechnet. Allerdings kam die Börsenlokomotive DAX Mitte März kräftig ins Stocken. Die Halbjahresgedenkfeiern für den 11. September drückten enorm auf die Stimmung der Marktteilnehmer, Einmarschgerüchte der USA in den Irak belasteten die Kurse ebenso wie die unsicheren Aussichten der Telekommunikationsbranche weltweit.
Viele Marktbeobachter sehen es aber durchaus so, dass der DAX den tatsächlichen ökonomischen Rahmenbedingen weit vorausläuft, manche meinen, zu weit. Die schöne neue Aktienwelt könne durchaus Risse bekommen, wenn die Unternehmensgewinne nicht wie erwartet stiegen. Wie weggeblasen seien derzeit auch die Sorgen über umstrittene Bilanzierungspraktiken etlicher US-Firmen. Diese Sorglosigkeit könne sich schnell rächen, meinen besorgte Auguren.
Bei einem DAX-Index-Stand von über 5 000 Punkten könnte der Beobachter glauben, dass es den deutschen Unternehmen wieder ganz prima geht. Davon kann aber eigentlich keine Rede sein, weit und breit nicht. Die Lufthansa ist ein Beispiel für die Vernebelung mancher Blicke. Während die Aktie von Analysten wieder zum Kauf empfohlen wird, sehe ich sie auf dem erreichten Kursniveau von 19 Euro doch ziemlich gefährdet. Soeben meldet das Unternehmen für das abgelaufene Geschäftsjahr einen Verlust von gut einer Dreiviertelmilliarde Euro und erwischte überdies die Aktionäre mit der Ankündigung eines Dividenden-
ausfalles auf dem falschen Fuß.
Wer glaubt, dass dieses schlechte Jahr wegen des 11.
September bloß eine Ausnahme für das Kranichunternehmen gewesen ist, kann am Ende ziemlich irren. Es gibt nämlich durchaus noch einige hausgemachte Probleme bei der Lufthansa AG wie beispielsweise die missratene Catering Tochter LSG Sky und ein enormer Schuldenberg von 4,6 Milliarden Euro. Die Konkurrenz der Billigflieger ist ebenfalls nicht von schlechten Eltern.
Lufthansa ist weiß Gott kein Einzelfall. Bayer meldet hanebüchen schlechte Zahlen, die Telekom wackelt, Nokia schwächelt beim Umsatz, die Deutsche Bank muss Gerling Rück retten, Holzmann droht schon wieder die Pleite. Die schöne heile Börsenwelt droht aus den Fugen zu geraten.
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