ArchivDeutsches Ärzteblatt13/2002Aktienanleihen: Nur scheinbar harmlos

VARIA: Schlusspunkt

Aktienanleihen: Nur scheinbar harmlos

Dtsch Arztebl 2002; 99(13): [84]

Rombach, Reinhold

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LNSLNS Um Aktienanleihen ist es in der letzten Zeit etwas ruhiger geworden. Das hat zum einen damit zu tun, dass diese Papiere eher in Haussephasen gefragt sind, aber sie sind auch deswegen nicht mehr so beliebt, weil sich in den letzten zwei Jahren doch etliche Sparer durch einen Einstieg in die für sie ungewohnte Anlageart ziemlich die Finger verbrannt haben.
Aus gutem Grund. Hinter der vergleichsweise harmlos klingenden Finanzinnovation Aktienanleihe versteckt sich in der Tat ein hochspekulatives Wertpapier, da können die Bankberater meines Erachtens ihren Kunden ins Ohr säuseln, was sie wollen. Geködert werden die Interessenten mit einem in aller Regel fantastischen Zinsangebot.
Wer beispielsweise 10 000 Euro investiert, erhält etwa bei einer Laufzeit von eineinhalb Jahren 14 Prozent Zinsen per annum. Der Haken: Am Ende der Laufzeit entscheidet der Emittent, also die Bank, ob der Kunde den gezahlten Betrag zurückerhält oder ob er – stattdessen – eine festgelegte Zahl von Aktien, sagen wir mal Telekom, geliefert bekommt.
Wie sich leicht denken lässt, kann der Deal ziemlich nach hinten losgehen. Wenn die Aktie am Verfallstag der Anleihe (Ende der Laufzeit) geliefert wird, kann es also durchaus sein, dass der Kurs der Aktie mal die Stückzahl den investierten Betrag so sehr unterschreitet, dass noch nicht mal die hohen Zinsen ausreichen, den Verlust wettzumachen.
Für die Banken ein prima Geschäft, die sich noch nicht mal haftungsrechtliche Sorgen machen müssen. Mittlerweile gibt es nämlich ziemlich viele wütende Anleger, die sich – auf gelieferten Aktien plus dem passenden Verlustberg sitzend – ziemlich hereingelegt fühlen. Dumm gelaufen.
Etliche Kunden wollten sich die Verluste nicht bieten lassen und klagten auf Schadensersatz. Alles vergebliche Liebesmüh. Nach der aktuellen Rechtsprechung handelt es sich bei Aktienanleihen keineswegs um Termingeschäfte (BGH, Az.: XI ZR 258/01), was ich persönlich nicht so recht nachvollziehen kann.
Dass Aktienanleihen eben nicht den Regeln für hochspekulative Börsentermingeschäfte unterliegen, sondern als „hundsgewöhnliche“ Aktien bewertet werden, obwohl sie faktisch heiße Papiere sind, halte ich schon für ein starkes Stück. Der Verdacht, dass die Banken da wieder mal Gesetzeslücken geschickt ausgenutzt haben, ist nicht von der Hand zu weisen.
Aber im Ergebnis kann sich eben kein Anleger mehr darauf berufen, er sei nicht ausreichend über das Risiko dieser Anlage belehrt worden. Wieder mal auf bombastische Werbeaussagen reingefallen, kann das Resümee nur lauten.
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