ArchivDeutsches Ärzteblatt13/2002Arzneimittelversand: Apotheker laufen Sturm

POLITIK

Arzneimittelversand: Apotheker laufen Sturm

Dtsch Arztebl 2002; 99(13): A-824 / B-683 / C-639

Rabbata, Samir

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Die Apotheker warnen vor dem Ende der wohnortnahen Arzneimittelversorgung. Foto: ABDA
Die Apotheker warnen vor dem Ende der wohnortnahen Arzneimittelversorgung. Foto: ABDA
Die Apotheker wollen einer Legalisierung des Versandhandels zuvorkommen und kündigen ein Alternativprogramm an.

Der vertraute Weg in die Apotheke um die Ecke könnte bei einigen Patienten schon bald in Vergessenheit geraten. Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­terin Ulla Schmidt will die Krankenkassen entlasten und hat wiederholt das Versandhandelsverbot infrage gestellt. Jetzt sorgt ein Vorstoß des Betriebskrankenkassen-(BKK-)Landesverbandes Bayern für Aufsehen. Erstmalig in Deutschland schließt eine Krankenkasse einen Liefervertrag mit einer Versandhandelsapotheke. Durch die Zusammenarbeit mit der niederländischen Versandapotheke DocMorris wolle man die Vorteile des freien Warenverkehrs innerhalb der Europäischen Union auch für den Arzneimittelsektor nutzen, so Gerhard Schulte, Vorstandsvorsitzender des BKK-Landesverbandes Bayern.
Die Apotheken bangen um ihre Monopolstellung und laufen Sturm. Die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) wies darauf hin, dass DocMorris mit zwei rechtskräftigen einstweiligen Verfügungen untersagt wurde, Deutschland weiterhin zu beliefern. Wenn ein Krankenkassenverband als Körperschaft des öffentlichen Rechts in Kenntnis dieser Umstände nun einen entsprechenden Liefervertrag abschließe, zeuge dies von einer unglaublichen Ignoranz und Arroganz gegenüber dem Gesetzgeber, empörten sich die Apotheker.
Um eine mögliche Legalisierung des Versandhandels in Deutschland zu verhindern, stellte die ABDA in Berlin ein Alternativprogramm vor, mit dem der Service der Apotheken weiter ausgebaut werden soll. Fachkräfte aus der Apotheke sollen künftig vor allem chronisch kranken und immobilen Patienten Arzneimittel nach Hause liefern und sie bei Bedarf auch beraten. Gleichzeitig wolle man mit einer so genannten Drehung der Arzneimittelpreisverordnung die Krankenkassen entlasten. Dazu sollen die Vertriebsmargen für hochpreisige Arzneien gesenkt und für preiswerte Arzneien erhöht werden. Nach Angaben der ABDA seien auf diesem Wege Einsparungen zwischen 350 bis 450 Millionen Euro möglich.
Informationskampagne pro Apotheke
Das Thema Versandhandel werde immer wieder von interessierten Kreisen in die Öffentlichkeit getragen, so ABDA-Präsident Hans-Günter Friese. „Es geht um die Zerstörung des Systems der bedarfsgerechten, wohnortnahen Arzneimittelversorgung – koste es, was es wolle.“ Mit der neu gegründeten Initiative „Pro Apotheke“ wolle man auf dieses Problem aufmerksam machen. Für die Informationskampagne würden sich alle zusammenschließen, „die am Erhalt einer flächendeckenden Rundum-Versorgung durch unabhängige Apotheken interessiert sind“, kündigte Friese an. Das Alternativkonzept der ABDA erfülle alle Ziele, die mit Versandhandel verfolgt würden, ohne ihn selbst mit all seinen Risiken in Kauf nehmen zu müssen. Samir Rabbata
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