ArchivDeutsches Ärzteblatt13/2002Kinder- und Jugendärzte: Mehr Prävention statt Disease Management

POLITIK

Kinder- und Jugendärzte: Mehr Prävention statt Disease Management

Dtsch Arztebl 2002; 99(13): A-826 / B-710 / C-647

Kanders, Jo

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LNSLNS Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte plädierte auf seinem Kongress in Weimar für eine breit angelegte Gesund­heits­förder­ung,
die schon im frühen Kindesalter beginnen sollte.

Nicht auf Einsparungen bei der Behandlung von Krankheiten, sondern auf gezielte Präventionsmaßnahmen sollten die gesetzlichen Krankenkassen nach Ansicht des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte Deutschlands (BVKJ) bei der Behandlung von Kindern und Jugendlichen setzen. Der Vorsitzendes des Honorarausschusses des BVKJ, Dr. med. Wolfram Hartmann, sprach sich auf dem 8. Kongress für Jugendmedizin in Weimar deshalb für ein so genanntes Evidence-based-Management aus.
Dazu müsse die primäre Prävention von den gesetzlichen Krankenkassen weit mehr als bisher berücksichtigt und honoriert werden. Hartmann trat damit auch den Plänen des Gesetzgebers entgegen, bei der Reform des Risiko­struk­tur­aus­gleichs den gesetzlichen Krankenkassen mit Disease-Management-Programmen (DMP) zusätzliche wirtschaftliche Anreize zu verschaffen.
Viel Geld für Programme ohne Kinder
Die Anreize bestehen darin, dass möglichst viele Versicherte zur Teilnahme am DM-Programm gewonnen werden sollen. Danach kann jede Krankenkasse für jeden in einem DMP eingeschriebenen Versicherten die standardisierten Leistungsausgaben dieser Patientengruppe im Risiko­struk­tur­aus­gleich geltend machen. Umgekehrt werden die standardisierten Leistungsausgaben für die nicht an Disease-Management-Programmen teilnehmenden Versicherten in den jeweiligen Alters- und Geschlechtsgruppen bei gleich bleibendem Gesamtausgleichsvolumen verringert.
Da aber Kinder und Jugendliche mit Ausnahme von Asthmakranken an
den Disease-Management-Programmen nicht teilnehmen können, könnte am Ende für deren Behandlung nicht mehr genügend Geld zur Verfügung stehen. Anstelle des DM-Programms sollte für Kinder und Jugendliche ein Evidence-based-Management eingeführt werden, schlägt der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte daher vor. Durch primäre Prävention könnte für diese Patientengruppe langfristig so viel Geld gespart werden, dass ein Disease Management im Erwachsenenalter in vielen Fällen überflüssig werde.
Volkskrankheiten frühzeitig entgegenwirken
Bei entsprechender Gesund­heits­förder­ung durch Beratung und Schulung könnten die großen Volkskrankheiten wie beispielsweise Übergewicht, aber auch chronisch obstruktive Lungenerkrankungen, Allergien, umweltbedingte Erkrankungen, Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörungen (ADHS), Erkrankungen des Skelettsystems und chronische Nierenerkrankungen weitgehend vermieden werden. Zugleich könnte der notwendige Ausbau der Impfprogramme einschließlich der Impfaufklärung wirksamer als bislang durchgesetzt werden. Hier gilt es nach Auffassung des BVKJ neue Organisationsstrukturen anzulegen, um auf breiter Front Prävention ab dem frühen Kindesalter umzusetzen. Jo Kanders
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