ArchivDeutsches Ärzteblatt13/2002KVen: Eine Horrorvorstellung

BRIEFE

KVen: Eine Horrorvorstellung

Dtsch Arztebl 2002; 99(13): A-844 / B-700 / C-654

Dubischar, Hanns

Zu dem Leserbrief „Dem freien Wettbewerb stellen“ von Prof. Dr. Stefan von Sommoggy in Heft 8/2002:
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LNSLNS Der Leser plädiert mit verschiedenen Begründungen für die Abschaffung der KVen. Dies halte ich für grundfalsch und für eine Horrorvorstellung. Ich halte es für unsinnig, ein jahrzehntelanges verwaltungsmäßiges und juristisches Know-how im Umgang mit den Krankenkassen über Bord zu werfen.
Die Vorstellung, als Einzelner oder als Netzteilnehmer zu irgendwelchen Kassenfürsten zu pilgern, um dort um Honorierung für seine Arbeit zu bitten, finde ich unerträglich. Ich weiß auch nicht, woher die Vorstellung kommt, dass daran irgend etwas besser sein soll. Entweder ist genug Geld für die Ärzte da oder nicht.
Wenn es aber nicht da ist, so dürfte auch eine Abschaffung der KV daran nichts ändern. Die Vorstellung des Lesers einer direkten Abrechnung mit dem Kunden halte ich ebenfalls für eine Schreckensvision. Jeder praktizierende Arzt weiß, wie schwierig es manchmal ist, auch nur eine zweistellige Rechnung auf Privatbasis einzutreiben. Im Zweifelsfall wird der Kunde Patient sein Geld von der Versicherung bekommen und vielleicht für andere Zwecke ausgeben, und der Arzt, der ja definitionsgemäß reich ist, kann auf seine Bezahlung warten. Die Rechnungsstellung an jeden Patienten dürfte wohl auch die Einstellung einer Verwaltungsfachkraft und einer Debitorenbuchhaltung in der Praxis mit sich bringen.
Es wird auch nicht jeder Kassenpatient bereit sein, sein Einverständnis für eine private Verrechnungsstelle zu geben. Die bisherige Beitragseintreibung vom Einkommen und Ausschüttung über die KV hat sicherlich ihren guten Sinn. Ich glaube, dass man die KVen, auch wenn ihre Rolle gegenüber den Ärzten als Selbstkontrollorgan nicht immer angenehm ist, in Zukunft eher stärken muss, als dass man sie kaputtreden oder schwächen sollte. Wer soll uns denn sonst gegenüber fachfremden bis ahnungslosen Politikern oder glasharten Kassenverwaltern vertreten? Abschaffung der KVen würde sicherlich zu einer unerträglichen Deregulierung und Merkantilisierung in unserem Beruf führen. Voraussetzung für den Erhalt des KV-Systems ist natürlich eine stringente Begrenzung der Niederlassungen, das System verträgt genauso wenig ausufernde Arztzahlen wie ausufernde Nachfrage. Das hat aber mit Pfründeerhaltung nichts zu tun, sondern ist eine Überlebensfrage in unserem pseudofreien Beruf. Wenn denn zum Schluss die KVen doch abgeschafft werden sollten, so sollte man gleich Nägel mit Köpfen machen. Anstatt den ganzen Tag irgendwelche Einzelleistungen zu verkaufen und Rechnungen zu schreiben, sollte man uns lieber alters- und standesgemäße Festgehälter mit bezahltem Erholungs- und Fortbildungsurlaub geben, wie es für die beamteten und angestellten KV- und Kassenarztkritiker selbstverständlich ist.
Dr. med. Hanns Dubischar, Gartenstraße 23, 88212 Ravensburg
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