ArchivDeutsches Ärzteblatt13/2002A beautiful mind: Genie und Wahnsinn

VARIA: Feuilleton

A beautiful mind: Genie und Wahnsinn

Dtsch Arztebl 2002; 99(13): A-868 / B-720 / C-674

Tretter, Felix

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Russell Crowe verkörpert den schizophrenen Mathematiker John Nash überzeugend.
Russell Crowe verkörpert den schizophrenen Mathematiker John Nash überzeugend.
Der Film stellt das Geistige mit seinen schönen und dunklen Seiten dar.

Der Film „A beautiful mind“ beruht auf dem Buch „Die fremden Meere des Denkens“ von Sylvia Nasar. Darin wird die Biografie des Mathematikers und Nobelpreisträgers John Forbes Nash jr. beschrieben. Er wurde am 13. Juni 1928 geboren und erhielt im Jahr 1994 den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften.
Nur 27 Seiten hatte die Doktorarbeit von Nash, die er im Alter von 21 Jahren verfasst hatte. Sie brachte ihn sofort in den Kreis der angesehensten Mathematiker der 50er-Jahre. Das Thema der Arbeit betraf die damals aufkommende Spiel- und Entscheidungstheorie von John von Neuman und Oskar Morgenstern. Es ging Nash dabei um die grundlegende Frage, wie man sich rational verhalten soll, wenn man in einer Situation ist, in der man nicht weiß, wie sich das Gegenüber verhalten wird. Das tritt vor allem in konkurrierenden Spielsituationen auf. Was glaubt A, was B von A glaubt, was B glaubt. Diese schier unendlich entfaltbare Situation kann man nur mit einer Strategie rational bewältigen, wenn man davon ausgeht, dass das Gegenüber wie man selbst auch, den individuellen Nutzen maximieren will. So kann das berühmte „Nash-Gleichgewicht“ erreicht werden.
Der Film beschäftigt sich mit dem studentischen Leben und der Arbeit des ambitionierten jungen Mathematik-Stipendiaten John Nash (Russell Crowe), der an der Universität Princeton seine Dissertation verfasst. Man lernt so den Charakter dieser Person kennen, die sehr intelligent, aber emotional „schwierig“, weil zwiespältig, arrogant und lebensfremd erscheint. Er ist von der Idee überzeugt, menschliches Verhalten mathematisch beschreiben zu können. Nach erfolgreicher Doktorarbeit wird Nash zum Professor ernannt. Eine seiner Studentinnen, Alicia (Jennifer Connelly), verliebt sich in ihn, und nur zögerlich kann er dieses Gefühlsangebot annehmen. Schließlich heiratet er sie. Zu dieser Zeit arbeitete er – gemäß dem Film – bereits für den Geheimdienst. Seither verfolgt ihn die Aufgabe, in allen Nachrichten verschlüsselte Botschaften zu erkennen und zu enttarnen. Er sucht bestimmte Muster in seiner Umwelt und kann sie schneller und umfangreicher als andere erkennen. Das macht einen Teil seines mathematischen Genies aus.
Allmählich, im Alter von 30, beginnt die Realität für John zu verschwimmen, er kann sich dem Sog nicht entziehen, überall solche Muster zu sehen und sogar zu hören. Er unterhält sich mit nicht anwesenden Personen und wird auf diese Weise für seine Freunde und für seine Frau immer seltsamer.
Akzeptanz der Krankheit
Er wird in eine psychiatrische Klinik eingeliefert. Es zeigt sich bald, dass Nash an einer chronischen Form der Schizophrenie leidet. In der Psychose wird er auch bedrohlich. Das Leben wird auf diese Weise unerträglich. Nach mehreren Klinikaufenthalten traut er sich wieder auf den Campus.
Erst langsam kann Nash seine Krankheit akzeptieren. Nur in kleinen Schritten bekommt er wieder Kontakt mit seiner Umwelt. Der gesunde Teil seines Geistes versucht zunehmend, die unabweisbaren psychotischen Anteile, die immer wieder in sein Erleben eindringen, anzuerkennen und sie gleichzeitig zu ignorieren. Er kann schließlich wieder in der Universität Princeton Vorlesungen halten. Als ihm 1994 in Stockholm der Nobelpreis verliehen wird, spricht er wieder vor einem großen Auditorium. Nach dieser Ehrung kann er sein Leben in wissender Bescheidenheit um die Grenzen von Genie und Wahnsinn weiterführen.
In dem Film geht es um zwei Themen: die Mathematik und die Schizophrenie. Dem Regisseur und den Schauspielern, allen voran Russell Crowe, gelingt es, diese widerständige Materie dem Zuschauer zu vermitteln. Es lässt sich einwenden, dass vieles im Film nicht typisch und manches nicht authentisch ist. Man kann auch die Ästhetik des Films kritisieren, der den heutigen Codes von Kinofilmen folgt. Vielleicht erscheint auch die Erläuterung der Mathematik, trotz Fachberatung, etwas dürr, die Psychiatrie unheimlich und die Geheimdienstsphäre etwas intensiv.
Dennoch ist der Versuch eindrucksvoll, das veränderte Erleben in der Schizophrenie zu beschreiben. Meisterhaft ist die Darstellung des Verhaltens, das Schizophrene manchmal zeigen, die Zwiespältigkeit, der ständige Zweifel an sich und an der Welt. Anrührend sind die Leiden der jungen Frau als Angehörige, die sich ihr Leben ganz anders vorgestellt hat, die aber auch im kranken Mann noch den Geliebten erkennt, für den sie bereit ist, da zu sein.
Insgesamt ist „A beautiful mind“ ein Film, der das Geistige mit seinen schönen und dunklen Seiten liebevoll darstellt. Es ist ein Film, der zum Nachdenken anregen kann, darüber, dass auch im höchsten Glück die Möglichkeit des Scheiterns besteht, etwa durch das Erleiden einer schweren Krankheit.
Priv-Doz. Dr. Dr. Dr. med. Felix Tretter
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