ArchivDeutsches Ärzteblatt13/2002Leukämie und GI-Stromatumoren: Imatinib bietet neue Therapieoptionen

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Leukämie und GI-Stromatumoren: Imatinib bietet neue Therapieoptionen

Vetter, Christine

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Bei der Behandlung des Ulcus cruris führen fehlende Sterilität von Verbandmaterialien sowie Unverträglichkeit von Zinkpasten häufig zu einer Beeinträchtigung des Heilungsprozesses. 3M Cavilon Reizfreier Hautschutz legt sich wie ein steriler, transparenter Film über die Haut und schützt diese vor irritierenden Substanzen, ohne die natürlichen Hautfunktionen zu behindern. Der nicht lösliche oder abwaschbare Schutzfilm schützt den Wundrand bis zu 72 Stunden und erlaubt aufgrund seiner Transparenz die Beobachtung des Heilungsprozesses. Foto: 3M
Bei der Behandlung des Ulcus cruris führen fehlende Sterilität von Verbandmaterialien sowie Unverträglichkeit von Zinkpasten häufig zu einer Beeinträchtigung des Heilungsprozesses. 3M Cavilon Reizfreier Hautschutz legt sich wie ein steriler, transparenter Film über die Haut und schützt diese vor irritierenden Substanzen, ohne die natürlichen Hautfunktionen zu behindern. Der nicht lösliche oder abwaschbare Schutzfilm schützt den Wundrand bis zu 72 Stunden und erlaubt aufgrund seiner Transparenz die Beobachtung des Heilungsprozesses. Foto: 3M
Mit dem Wirkstoff Imatinib, der gezielt gegen die molekularen Defekte bei der chronisch myeloischen Leukämie (CML) gerichtet ist, wird erstmals eine maßgeschneiderte Therapie realisiert. „Wir hoffen, nach dem gleichen Prinzip weitere Therapieoptionen bei anderen Tumoren entwickeln zu können“, betonte Prof. Bernd Dörken (Berlin) bei einer Novartis-Pressekonferenz anlässlich des Deutschen Krebskongresses in Berlin.
Grundlage der CML ist eine Translokation von genetischem Material zwischen dem langen Arm der Chromosomen 9 und 22, dem so genannten Philadelphia-Chromosom. Durch Fusion der Genfragmente entsteht das Fusionsprotein Bcr-Abl, eine Tyrosinkinase, die Funktionen in der Signaltransduktion übernimmt. Diese Tyrosinkinase wird dauerhaft aktiviert, es kommt zur Entartung der betroffenen Zelle und damit zur unkontrollierten Vermehrung von Leukämiezellen.
Mit Imatinib wird dieser pathogenetische Prozess zielgerichtet durchbrochen. Es handelt sich um einen spezifischen Tyrosinkinasehemmer, der die ATP-Bindungsstelle der Tyrosinkinase blockiert, damit die nachfolgenden zellulären Vorgänge unterbrochen werden; zugleich sorgt er dafür, dass bei den erkrankten Zellen der programmierte Zelltod wieder eingeleitet wird. Unter Imatinib werden nach Dörken erstaunlich hohe Ansprechraten realisiert und auch Patienten im fortgeschrittenen Stadium wieder therapierbar.
Obwohl derzeit noch nicht bewiesen ist, dass die neue Behandlungsstrategie das Überleben verlängert, sind die erzielten Resultate nach Dörken doch spektakulär und haben bereits die geltenden Standards kräftig durcheinander gewirbelt. Immerhin reagierten 95 Prozent der CML-Patienten, die gegen die üblichen Therapeutika bereits resistent sind, unter Imatinib (Glivec®) mit einer hämatologischen Remission; mehr als 60 Prozent zeigten eine relevante zytogenetische Antwort, wobei die Rate der Zellen mit Philadelphia-Chromosom auf unter 35 Prozent zurückgeht oder gänzlich verschwindet. In Studien wird nun überprüft, wie sich dies auf die langfristige Prognose auswirkt.
Auch bei gastrointestinalen Stromatumoren (GIST) bietet der Tyrosinkinasehemmer nach Dr. Peter Reichardt (Berlin) neue Chancen. Bislang waren die therapeutischen Möglichkeiten für diese Tumorart limitiert. „Das hat sich durch Imatinib geändert“, sagte Reichardt. Etwa 80 Prozent der Tumoren reagierten auf den neuen Wirkstoff mit einem erheblichen Rückgang der Tumormasse.
Die Ursache besteht darin, dass Imatinib nicht nur das Brc-Abl, sondern auch c-kit umfasst, eine Rezeptorkinase auf der Oberfläche der GIST-Zellen. Dieser Rezeptor ist bei GIST mutiert, die Tyrosinkinase bleibt kontinuierlich aktiviert, was eine unkontrollierte Proliferation und den Schutz der Zellen vor einer Apoptose zur Folge hat. Diese pathogenetischen Mechanismen werden von Imatinib durch die kompetitive Blokkade der ATP-Bindungsstelle durchbrochen. „Damit wird bei GIST erstmals eine medikamentöse Therapie wirksam“, betonte Reichardt.
Die günstigen Effekte werden aber nicht durch gravierende Nebenwirkungen erkauft, denn der Tyrosinkinasehemmer ist zugleich gut verträglich. Gerechnet werden muss mit Ödemen, Übelkeit, Diarrhö und auch Hautausschlägen, und das vor allem bei Lichtexposition. Im Vergleich zu Chemotherapeutika sind die Nebenwirkungen aber vergleichsweise gering. Christine Vetter
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