ArchivDeutsches Ärzteblatt14/2002Disease Management: Bedenkenträger

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Disease Management: Bedenkenträger

Dtsch Arztebl 2002; 99(14): A-893 / B-745 / C-697

Rabbata, Samir

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LNSLNS Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­terin Ulla Schmidt ließ auf dem Barmer-Fachsymposium zu Disease Management in Berlin ihren Ärger raus. Bedenkenträger blockierten die Umsetzung der Behandlungsprogramme für chronisch Kranke. Namentlich nannte sie den Präsidenten der Bundes­ärzte­kammer, Prof. Dr. med. Jörg-Dietrich Hoppe, der wiederholt vor einer „schematischen Checklistenmedizin“ gewarnt hatte. Hinter einer solchen Kritik stecke ein völlig falsches Verständnis der Disease-Management-Programme (DMP), sagte Schmidt. Mit DMP wolle man erreichen, dass sich Arzt und Patient auf den
Weg machten, um gemeinsam eine Gesundheitsverbesserung zu erreichen. Von Checklistenmedizin könne gar keine Rede sein.
Wie dieser Weg aussehen soll, wird derzeit kontrovers im Koordinierungsausschuss der Selbstverwaltung diskutiert. Ärzte und Krankenkassen sollen sich dort
auf die genaue Ausgestaltung der Chroniker-Programme einigen. Der Mangel an evidenzbasierten deutschen Leitlinien und gegensätzliche Meinungen über den Datenfluss verzögerten bisher einen gemeinsamen Beschluss. Dennoch hält Ministerin Schmidt am 1. Juli als Stichtag für die Einführung der DMP fest. Und sie fügte hinzu, notfalls werde man zu staatlichen Ersatzvornahmen greifen, wenn sich die Selbstverwaltungspartner nicht einigen könnten.
Hoppe hat kein Verständnis für solche Drohungen. Die Bundes­ärzte­kammer habe immer wieder verdeutlicht, dass die strukturierten Behandlungsprogramme für chronisch Kranke hohen Qualitätsstandards genügen müssten. „Notwendig ist eine behutsame Sacharbeit zur Entwicklung von evidenzbasierten Leitlinien, um tatsächlich eine bessere Behandlung von chronisch Kranken zu ermöglichen.“ Wenn die Ministerin die Programme ohne verlässliche Grundlage allein aus politischen Gründen zum 1. Juli durchpeitschen wolle, erzwinge sie den Weg in die staatliche Zuteilungsmedizin, kritisierte Hoppe.
Die Hektik bei der Ausgestaltung der Disease-Management-Programme ist bedenklich. Insofern wird es Ärztepräsident Hoppe verschmerzen können, von Ministerin Schmidt als Bedenkenträger bezeichnet zu werden. Ein Blockierer ist Hoppe deshalb aber nicht. Die Bundes­ärzte­kammer spricht sich klar für Disease Management aus, aber in der notwendigen Qualität. So viel Zeit muss sein – trotz aller politischen Zwänge. Samir Rabbata
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