ArchivDeutsches Ärzteblatt14/2002Anti-Raucher-Kampagnen: Die Industrie zahlt

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Anti-Raucher-Kampagnen: Die Industrie zahlt

Richter, Eva A.

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LNSLNS Die Zigarettenindustrie will in den nächsten fünf Jahren Nichtraucher-Programme für Kinder und Jugendliche mit 11,8 Millionen Euro unterstützen. Das sieht der Vertrag vor, den das Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium am 20. März mit dem Verband der Zigarettenindustrie und dessen Mitgliedsfirmen schloss. „Dies ist ein großer Erfolg“, sagte Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­terin Ulla Schmidt. Damit übernehme die Zigarettenindustrie erstmals Verantwortung für ihr Produkt.
Mit dem Geld soll die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung Anti-Raucher-Kampagnen für Kinder und Jugendliche entwickeln und finanzieren. So soll beispielsweise der bundesweite Schulwettbewerb „Be smart – Don’t start“ ausgeweitet werden, bei dem sich ganze Schulklassen verpflichten, nicht mit dem Rauchen zu beginnen. Das Programm soll in den nächsten Jahren bereits ab der fünften Klasse und in einer größeren Anzahl Schulen angeboten werden. Zudem sollen geeignete Strategien entwickelt werden, um junge Mädchen vom Rauchen abzuhalten, da gerade der Anteil der jungen Raucherinnen in den letzten Jahren gestiegen ist.
Die Zigarettenindustrie hat sich mit dem Vertrag verpflichtet, sich nicht in die Ausgestaltung der Präventionsprogramme einzumischen. Gleichzeitig will sie während der Laufzeit auf eigene nationale Aktionen zur Ansprache von Kindern und Jugendlichen verzichten. Ihre einzige Bedingung: Das Geld darf nicht für Anti-Raucher-Kampagnen für Erwachsene verwendet werden. Mit dem Vertrag gehe die Bundesregierung keinerlei politische Verpflichtungen gegenüber den Zigarettenfirmen ein, betonte die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marion Caspers-Merk. Es bestehe lediglich eine Informationspflicht über den Einsatz des Geldes.
Dies ist eine faire Einschränkung, zumal das Einstiegsalter ins Zigarettenrauchen derzeit bei 13,6 Jahren liegt. Gerade der Ausbau der Präventionsprogramme für Kinder und Jugendliche könnte die besten Erfolge zeigen. Denn in dieser Lebensphase prägt sich der Lebensstil aus, der oftmals im Erwachsenenalter beibehalten wird. Studien belegen: Die meisten Raucher haben vor dem 18. Lebensjahr mit dem Rauchen begonnen. Dr. med. Eva A. Richter
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