ArchivDeutsches Ärzteblatt14/2002Bio-Zement richtet gebrochene Wirbel wieder auf

POLITIK

Bio-Zement richtet gebrochene Wirbel wieder auf

Dtsch Arztebl 2002; 99(14): A-911 / B-763 / C-712

Tuffs, Annette

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Minimalinvasive Methode der Kyphoplastie Foto: Kyphon
Minimalinvasive Methode der Kyphoplastie Foto: Kyphon
Patienten mit gebrochenen Wirbelkörpern kann durch ein Verfahren am Universitätsklinikum Heidelberg geholfen werden: Um den Wirbel wieder aufzurichten, wird mithilfe einer Kanüle ein spezieller Bio-Zement eingespritzt. Das schonende Verfahren befreit rasch von Schmerzen und erspart den meist älteren Patienten die Bettlägerigkeit und schwere Komplikationen.
Die minimalinvasive Methode der Kyphoplastie (Wirbelaufrichtung) wurde in den USA entwickelt und wird an einigen Zentren in Deutschland angewendet. Am Universitätsklinikum Heidelberg ist nun ein weiterer Fortschritt erzielt worden. Zur Stabilisierung des gebrochenen Wirbelkörpers wird ein neuer Bio-Zement verwendet, der entscheidende Vorteile hat: Er wird bei normaler Körpertemperatur fest, sodass die verbliebenen gesunden Knochenzellen nicht zerstört, sondern sogar zum Wachstum angeregt werden.
„Bislang wurde dafür der Kunststoff Methylmetacrylat verwendet. Beim Anhärten wird er bis zu 80 Grad Celsius heiß und schädigt dadurch lebendes Knochengewebe“, sagt Priv.-Doz. Dr. Hans-Christian Kasperk. Seit 2001 konnten in Heidelberg 18 Patienten mit der neuen Methode erfolgreich behandelt werden, wobei die Ergebnisse im Rahmen einer Studie am Universitätsklinikum auch im Verlauf systematisch untersucht werden.
Der Eingriff unter Röntgenkontrolle dauert nur 30 bis 40 Minuten. Der Patient liegt in Vollnarkose auf dem Bauch. Durch zwei kleine Stiche rechts und links des betroffenen Wirbels wird eine Kanüle vorgeschoben. Dadurch wird ein Ballon eingeführt, der mit einer Flüssigkeit aufgeblasen wird und den Wirbel zunächst aufrichtet. Der Ballon wird wieder entfernt; dann wird der
stabilisierende Bio-Zement eingespritzt. Auch Patienten, die an Wirbelbrüchen durch Knochenmetastasen leiden, können unter bestimmten Voraussetzungen mit der Kyphoplastie behandelt werden. Dr. med. Annette Tuffs
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