ArchivDeutsches Ärzteblatt14/2002MDK: Unverzichtbarer Schutz

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MDK: Unverzichtbarer Schutz

Dtsch Arztebl 2002; 99(14): A-920 / B-773 / C-721

Herzberger, Barbara

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LNSLNS Im Gegensatz zur Meinung von Dr. Bämayr arbeiten sowohl MDK als auch Heimaufsicht sehr wohl im Interesse der Heimbewohner. Die Heimbetreiber wissen ihre Interessen zu vertreten beziehungsweise zu schützen. Die „besseren“ Heime haben wenig von der Heimaufsicht oder dem MDK zu befürchten und kooperieren im Interesse der Qualitätssicherung. Heime, die große Mängel in der Versorgung ihrer Bewohner aufweisen, waren jedoch bis vor kurzem nur nach vorheriger Anmeldung für Heimaufsicht und MDK zugängig.
Beim vorherrschenden Mangel an Heim- und Pflegeplätzen trauen sich häufig weder Angehörige (sofern überhaupt vorhanden) noch Bewohner (sofern sie dazu in der Lage sind), sich über Unzulänglichkeiten bis hin zu Vernachlässigungen zu
beschweren – aus Angst, den Heimplatz zu verlieren oder gar dafür bestraft zu werden. Dabei sind häufig Heimaufsicht und MDK die einzigen Instanzen, die sich für das Wohlergehen der Heimbewohner einsetzen und die Befugnis und Qualifikation dazu haben, tatsächlich etwas zu bewegen. Hierbei möchte ich nicht andeuten, dass das Pflegepersonal nicht im Interesse der Heimbewohner handelt. Jedoch in einem schlecht geführten Heim zählt auch das Pflegepersonal zu den Leidtragenden. Bei einem schlechten Dienstplan und nicht erfüllten Pflegedienstschlüsseln bleibt ihnen weder Zeit noch Kraft so zu handeln, wie sie es gelernt haben und möchten. Schlecht geführte Heime weisen eine große Fluktuation an Pflegekräften auf und ziehen nicht die Qualifiziertesten an. Ohne Dokumentation keine Qualitätssicherung. Ohne ausführliche Übergabe keine Kontinuität in der Pflege und kein Hinweis auf mögliche Schwachstellen. Der Profit des Pflegeheimes ist in manchen Fällen die Hauptmotivation des Heimbetreibers. Es werden keine Qualifikationen oder Vorkenntnisse über Pflege oder Demenz gefordert, um ein Heim zu betreiben. Ein falsches Bild von alten Menschen führt dazu, dass sie wie passive, hirnlose Wesen auf dem Abstellgleis behandelt werden und höchstens warm, trocken und satt gehalten werden. Sie werden nicht als Individuen mit Eigenbedürfnissen und Rechten angesehen. Sie werden weder sinnvoll beschäftigt noch ausreichend versorgt. Auf ihre Biografien und ihre Lebensqualität wird wenig geachtet. So leiden eher Heimbewohner und -angestellte unter der Diktatur der rein wirtschaftlichen Interessen. Nur MDK und Heimaufsicht bieten dazu ein Gegengewicht.
Dr. med. Barbara Herzberger, Generation Research Program des Humanwissenschaftlichen Zentrums der Ludwig-Maximilians-Universität, Arzbacherstraße 12, 83646 Bad Tölz
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