ArchivDeutsches Ärzteblatt14/2002Pflegeversicherung: Pflegeversicherungsgutachter-TÜV vonnöten
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LNSLNS Wann gibt es endlich einen Pflegeversicherungsgutachter-TÜV? Bei zwei „Begutachtungen“ zur Feststellung der Pflegestufe war ich persönlich zugegen. Beim ersten Mal als Hausarzt der Patientin. Der begutachtende Kollege kam mit Fötor alc. und Tremor zur Patientin in die Wohnung und erstellte sein Gutachten ausschließlich nach Anamnese. Auf mein Befragen, wie man denn so mit Mitte vierzig zu einer solchen Gutachtertätigkeit käme, erzählte der Kollege von seinem rückenbedingten Ausscheiden aus der früheren Tätigkeit. Ein Anruf meinerseits bei einem mir bekannten Kollegen in der früheren Wirkungsstätte des Gutachters ergab hingegen einen ganz anderen Grund für die Aufgabe der früheren Tätigkeit.
Bei meiner zweiten Begegnung der unheimlichen Art gab ich vor, Angehöriger zu sein, und täuschte medizinische Unwissenheit vor. Die von der AOK Recklinghausen veranlasste „Begutachtung“ wurde von einer offensichtlich aus Osteuropa stammenden Krankenschwester (!) durchgeführt, welche zudem schlecht Deutsch sprach. Die Krönung des Ganzen war jedoch die sich an die Anamnese anschließende körperliche Untersuchung durch die offensichtlich eigenverantwortlich tätige Krankenschwester. Hierzu wurden bei der Patientin, welche an einer hochfloriden PCP und Osteoporose erkrankt ist, gleich mehrere Gelenke zur vermeintlichen Prüfung der Beweglichkeit endgradig(!) bewegt. Jeder Niedergelassene weiß um die Anforderungen, welche die KVen an uns stellen, bevor wir auch nur eine genehmigungspflichtige Leistung abrechnen dürfen. Um als Kassengutachter tätig zu werden, braucht’s hingegen nicht mal ’ne Approbation. Möglicherweise ist ja auch das Anstiften zur Ausübung des ärztlichen Berufes ohne Approbation eine Straftat, und es
findet sich einmal ein mutiger Staatsanwalt, der gegen die Krankenkassen vorgeht.
Michael Rausch, lediglich Facharzt
für Allgemeinmedizin, Markt 1, 45657 Recklinghausen
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