ArchivDeutsches Ärzteblatt14/2002Schiffsbeteiligungen: Widrige Fahrwasser

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Schiffsbeteiligungen: Widrige Fahrwasser

Dtsch Arztebl 2002; 99(14): A-966 / B-815 / C-771

Löwe, Armin

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Voll beladen: Nur so fahren Containerschiffe Gewinne ein. Foto: HCI
Voll beladen: Nur so fahren Containerschiffe Gewinne ein. Foto: HCI
Um rund 50 Prozent sind die Charterraten für Containerschiffe eingebrochen.

Schiffsbeteiligungen sind beliebt. Viele Landratten haben ihr Herz für die Seeschifffahrt entdeckt – zumindest wenn es um Beteiligungsmodelle geht, wie die Steuersparangebote diskret genannt werden, um die Finanzverwaltung nicht aufzuschrecken. Vor allem in Containerschiffe investieren die Bundesbürger besonders gern. Mittlerweile gehören ihnen gut vier Fünftel der Welt-Containtertonnage in der Trampschifffahrt, die sich anders als der Linienverkehr nach dem gerade vorliegenden Transportbedarf richtet.
Doch die Containerschiffe sind in widrige Fahrwasser geraten. Innerhalb weniger Monate sind die Charterraten – das sind die Mietpreise, zu denen die Containerschiffe von den Reedern für eine gewisse Zeit angemietet werden – um rund 50 Prozent eingebrochen. Die Charterraten sind für die Schifffonds das, was die Mieten für die Immobilienfonds sind: Sie entscheiden über die Einnahmen des Fonds und damit auch über die Ausschüttungen an die Anleger.
Mittlerweile haben sich die Charterraten offenbar auf dem niedrigen Niveau stabilisiert, und die schlimmsten Befürchtungen, die noch im Herbst letzten Jahres in der Branche gehegt wurden, bestätigten sich nicht. Bislang mussten keine beschäftigungslos dahindümpelnden Schiffe aufgelegt, das heißt eingemottet werden. Dies geschieht dann, wenn die Eigner keine Hoffnung haben, dass Schiffe ohne Charter in absehbarer Zeit eine Beschäftigung finden.
Aber auch wenn dieser schlimmste Fall bislang nicht eingetreten ist: Die Aussichten für Schiffsbeteiligungsfonds sind alles andere als rosig, und das wirkte sich bereits im Jahresendgeschäft (die heißeste Verkaufs-Phase für „Beteiligungsmodelle“) aus. Zwar konnten Schiffsbeteiligungen für 1,48 Milliarden Euro 2001 verkauft werden (so viel wie 2000, aber deutlich weniger als in den Rekordjahren 1996 und 1997), aber dies lag vor allem an dem guten Absatz im ersten Halbjahr, als die Welt der Containerschifffahrt noch in Ordnung schien.
Der Zusammenbruch der Charterraten ist vor allem auf die Rezession in den USA und die Abkühlung der Weltkonjunktur zurückzuführen. Die Nachfrage nach Transportleistungen ist stark von der wirtschaftlichen Entwicklung abhängig. Zum Teil ist die Krise aber auch hausgemacht. Es wurden in der Phase niedriger Preise unmittelbar nach Ausbruch der Asienkrise Hunderte von Containerschiffen geordert, weil die Nachfrage der Steuersparer schier unersättlich schien. Kurios: Nicht die Nachfrage nach Transportleistungen bestimmte die Anschaffung von Schiffen, sondern die Nachfrage der Steuersparwilligen.
Das führte zu einem Kapazitätsüberhang, der sich noch zu verstärken droht. Denn es wurden bereits im letzten Jahr zahlreiche Schifffonds aufgelegt, die erst im laufenden Jahr den Anlegern angeboten werden. Die entsprechenden Schiffe kommen aber erst in zwei Jahren auf den Markt. Die bereits aufgelegten Schifffonds müssen bis Ende 2002 bei den Anlegern platziert werden, um von der Übergangsregelung zur sofortigen Verrechnung bestimmter Kosten (wie Provisionen) zu profitieren.
Nach einem Erlass des Bundesfinanzministeriums, der auf ein Urteil des Bundesfinanzhofs folgte, können bestimmte Kosten nicht mehr (wie bisher) im ersten Jahr voll abgesetzt werden, sondern müssen wie Abschreibungen auf die Jahre der Nutzung verteilt werden. Dadurch sinken die Steuervorteile.
Allerdings sind es nicht mehr die Steuervorteile allein, die die Schiffsbeteiligungen so populär machen. Mit der Tonnagesteuer, die noch unter der CDU/FDP-Regierung eingeführt wurde, unterliegen die Ausschüttungen nur einer ganz moderaten Pauschalsteuer, die sich nach der Tonnage des Schiffes richtet. Sie beträgt zum Beispiel bei einer Beteiligung von 100 000 Euro nur rund 40 Euro im Jahr. Aber diese Pauschalsteuer nutzt dem Anleger nur etwas, wenn tatsächlich Gewinne erzielt und Ausschüttungen vorgenommen werden. Dies ist bislang der Fall. Zudem: Auch wenn die Krise länger dauert, werden zwar die Ausschüttungen reduziert werden müssen, aber ein kompletter Ausfall der Ausschüttungen erscheint aus heutiger Sicht unwahrscheinlich.
Neue Wege
Die Initiatoren der Schifffonds müssen aber offenbar neue Wege gehen, um die Anleger in Schiffsbeteiligungen zu locken. Die Norddeutsche Vermögen, einer der ältesten Anbieter von Schifffonds in Deutschland, kam bereits im Herbst letzten Jahres mit einem Fonds auf den Markt, der mit einer Rückkaufsgarantie verbunden ist. Die Norddeutsche Vermögen verpflichtet sich, den Anteil nach zehn Jahren zu 75 Prozent zurückzunehmen. In diesem schlimmsten Fall kommt der Anleger mit einem Verlust von fünf bis zehn Prozent aus seinem Engagement wieder heraus.
Einen neuen Weg beschreitet auch die HCI, in früheren Jahren Marktführer bei Schifffonds, eine Position, die das Unternehmen 2001 verlor. Im HCI Schifffonds I sind sechs Schiffstypen zusammengefasst, um eine bessere Risikostreuung zu erzielen: drei Mehrzweckfrachtschiffe, die auch andere Güter als Container transportieren können, und drei Containerschiffe. Armin Löwe
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