ArchivDeutsches Ärzteblatt15/2002Paläopathologie: Weitere Befunde historischer Populationen
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LNSLNS Der Artikel gibt einen gelungenen informativen Überblick über das Gebiet der Paläopathologie. Bei dem Vorliegen entsprechender Schädelfunde sind aus ernährungswissenschaftlicher Sicht auch zahnpathomorphologische Untersuchungen von Relevanz, die Einblicke in die Zahngesundheit und Lebensweise der Merowinger vermitteln können. So wurde von Weidle (4) für eine Population aus Edesheim in der Pfalz eine Karieshäufigkeit von 21,3 Prozent für die männliche und nur 13,5 Prozent für die weibliche Bevölkerung dokumentiert. Eine Erweiterung der Diagnostik auf das postkraniale Skelett verspricht ebenfalls wertvolle Informationen zum gesundheitlichen Status historischer Populationen. An einer merowingischen Population aus Bockenheim wurde von Hammerl (1) eine etwa zehn Prozent höhere Knochendichte im Vergleich zu Nordamerikanern gefunden, was möglicherweise auf eine höhere körperliche Belastung deuten könnte. Bezüglich der Indikationsstellung zur Trepanation ist bemerkenswert, dass bei 19 bei dem Gusii-Stamm in Westkenia dokumentierten Trepanationen in den Jahren 1978 bis 1982 (2) ein Schädel-Hirn-Trauma vorangegangen war, das von einer darauf zurückgeführten Symptomatik gefolgt wurde. Pahl (3) misst dagegen der religiös, magisch rituellen Indikation eine größere Bedeutung als der „echten“ Heilbehandlung bei.
Literatur
1. Hammerl J: Bestimmung der Knochendichte durch quantitative digitale Radiologie (QDR) am Femurhals bei einer merowingischen Population aus Bockenheim/Landkreis Bad Dürkheim. Dissertation, Frankfurt am Main 1990.
2. Meschig R: Zur Geschichte der Trepanation unter besonderer Berücksichtigung der Schädeloperationen bei den Kisii im Hochland Westkenia. Düsseldorf: Triltsch Verlag 1983.
3. Pahl W M: Altägyptische Schädelchirurgie. Stuttgart: GV Fischer Verlag 1993.
4. Weidle O K: Morphologische und pathologische Untersuchungen der Dentition einer Merowinger Population aus Edesheim/Pfalz. Dissertation, Mainz 1991.

Dr. med. Dr. rer. nat. Dr. Sportwiss.
Christoph Raschka
Institut für Sportwissenschaften, J. W. Goethe-Universität
Ginnheimer Landstraße 39, 60487 Frankfurt am Main

Stefan Flohr, M.A.
Institut der Anthropologie und Humangenetik
J. W. Goethe-Universität
Siesmayerstraße 70, 60323 Frankfurt am Main

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