ArchivDeutsches Ärzteblatt15/2002Vision – Raum – Szene. Gemälde, Grafik, Skulptur, Plakat, Foto, Film

VARIA: Bücher

Vision – Raum – Szene. Gemälde, Grafik, Skulptur, Plakat, Foto, Film

Dtsch Arztebl 2002; 99(15): A-1035 / B-862 / C-806

Buck, Elmar

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Kunstband
Prächtiges Schaufenster
Elmar Buck: Vision – Raum – Szene. Gemälde, Grafik, Skulptur, Plakat, Foto, Film. Theaterwissenschaftliche Sammlung Schloss Wahn, Verlag M. Faste, Kassel, 2001, 544 Seiten, 530 Farbabbildungen, Format 24,5 × 30 cm, gebunden, mit Schutzumschlag, 65,45 €
Genrehaftes und Symbolkraft, Abstraktion und Expression, Farbexplosion und Experiment – alle denkbaren Facetten einer über 400-jährigen Kunstgeschichte spiegeln sich in diesem neu erschienenen Bildband „Vision – Raum – Szene“. Was der Titel verspricht, lösen die mehr als 500 Farbabbildungen in diesem Buch ein; es lädt ein zu Spaziergängen und Gratwanderungen zwischen freier und angewandter Kunst.
Das Buch vermittelt einen Eindruck der prunkvollen höfischen Welt, der Kunst des Genrebildes, der inszenierten Ex- und Interieurs Alter Meister und schwenkt über die fantastischen Kreationen der Romantik zu den verspielten wie auch strengen Formen des Jugendstils und zum Pathos des Symbolismus. Revolutionäre Ideen der russischen Avantgarde stehen für den Anbeginn der Moderne. So werden in Arbeiten von Kandinsky oder Moholy-Nagy Sehgewohnheiten gesprengt und neu rhythmisiert, verschmelzen konstruktive, kubistische oder abstrakte Formen, das Figürliche wird aufgelöst und geht neue Symbiosen ein. Oskar Schlemmers Figuren werden unter den Augen des Betrachters zu farbigen Artefakten. Die Kunst findet in der reinen Abstraktion ihre selten so konsequent veranschaulichte adäquate Form.
Doch es bahnt sich auch deren Auflösung an, Ikonen der Kunst- und Kulturgeschichte tauchen als verfremdetes Zitat wieder auf, und auch die Darstellung des Menschen wird neu entdeckt: Nicht mehr als Individuum, sondern als zerrissene Kreatur, skizzenhaft reduziert, schreiend expressiv (wie etwa in den beeindruckenden Arbeiten Erich Wonders) oder ironisiert (bei Roland Topor). Das Bild wird ersetzt durch das Zeichen.
Mit diesem Kunstband ist ein lang gehegter Wunsch in Erfüllung gegangen. Die Theaterwissenschaftliche Sammlung Schloss Wahn, eine der bedeutendsten und weltgrößten Sammlungen ihrer Art, suchte nach einer Möglichkeit, eine passende Auswahl ihrer wertvollen Bestände an Gemälden, künstlerischen Zeichnungen, Entwürfen und Fotografien einem breiten Publikum zu präsentieren. Bisherige Ausstellungen konnten nur spezielle Ausschnitte der historisch gewachsenen Sammlung zeigen. Dies kann sich mit dem neuen Bildband ändern, dessen großformatige Seiten angemessen Raum bieten, ästhetische und gestalterische Vorstellungen seit dem 17. Jahrhundert zu veranschaulichen. Jede Seite des Bandes verschafft neue Einblicke und Bezüge: Es ist gleichsam ein prächtiges Schaufenster, in dem auch Kenner noch Entdeckungen machen und in dem man immer wieder gerne stöbert. Stefan Pollmächer
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