ArchivDeutsches Ärzteblatt15/2002Metastasiertes Kolonkarzinom: Orale Chemotherapie mit Tegafur-Uracil

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Metastasiertes Kolonkarzinom: Orale Chemotherapie mit Tegafur-Uracil

Dtsch Arztebl 2002; 99(15): A-1037 / B-841 / C-773

Bischoff, Angelika

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LNSLNS Die Standardchemotherapie des metastasierten Kolonkarzinoms basiert auf dem Pyrimidinsynthesehemmer 5-Fluorouracil (5-FU). Dieser wird mit Calciumfolinat (CF) kombiniert, einer Substanz, die den Effekt von 5-FU auf die DNS-Synthese verstärkt. Das Mayo-Schema mit 425 mg/m2 5-FU und 20 mg/m2 CF in Bolusinfusionen über fünf konsekutive Tage alle vier oder fünf Wochen wird weltweit am häufigsten verwendet. Die Überlebenszeit lässt sich durch die Chemotherapie auf zwölf Monate verdoppeln, wie Prof. Siegfried Seeber (Essen) ausführte.
Doch bisher mussten die Patienten für eine Chemotherapie einige Unannehmlichkeiten in Kauf nehmen. Sie mussten sich für regelmäßige Infusionen in ihr Therapiezentrum begeben und litten unter toxischen Nebeneffekten. Gut verträgliche oral wirksame Chemotherapeutika sind deshalb schon länger ein Gegenstand der Forschung. Seit dem März ist mit Tegafur-Uracil (UFT®, Bristol-Myers Squibb) ein neues DPD-inhibitorisches Fluoropyrimidin (DIF) auf dem Markt, das für die orale Applikation entwickelt wurde.
Tegafur ist ein Prodrug, das im Organismus zu 5-FU verwandelt wird. Die Uracil-Komponente hemmt als natürliches Substrat der Dihydropyrimidin-Dehydrogenase (DPD) kompetitiv den enzymatischen Abbau von 5-FU. Dadurch wird die Bioverfügbarkeit von 5-FU verbessert, und im Tumor entstehen fünf- bis zehnfach höhere 5-FU-Konzentrationen als bei Gabe von Tegafur allein. Durch Kombination mit CF, das ebenfalls oral applizierbar ist, lässt sich der 5-FU-Effekt noch auf einem zweiten Weg verstärken, wie Prof. Carsten Bokemeye (Tübingen) erläuterte. Das orale Schema umfasst 300 mg UFT m2/Tag und 75 oder 90 mg CF pro Tag über 28 Tage alle fünf Wochen. Die Medikation wird in drei Einzeldosen alle acht Stunden aufgeteilt.
Zwei große randomisierte multizentrische Zulassungsstudien haben gezeigt, dass UFT/CF in seiner Antitumor-Effektivität mit dem Mayo-Schema vergleichbar ist. Doch in der Toxizität erwies sich das neue orale Regime als signifikant überlegen. Die Patienten erlitten seltener Neutropenien, febrile Neutropenien und schwere Mukositiden. Die Inzidenz einer schweren Diarrhö, dem einzigen dosislimitierenden Effekt, war mit rund 20 Prozent in beiden Regimes vergleichbar.
In weiteren Studien soll UFT/CF nun in Kombination mit den neuen Substanzen Oxaliplatin und Irinotecan untersucht werden, die auch die Standard-Chemotherapie des metastasierten kolorektalen Karzinoms bereits optimieren konnten. Dr. med. Angelika Bischoff
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