ArchivDeutsches Ärzteblatt15/2002Südtirol: Zauber des Frühlings

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Südtirol: Zauber des Frühlings

Wendt, Christoph

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An der Südtiroler Weinstraße. Fotos: Christoph Wendt
An der Südtiroler Weinstraße. Fotos: Christoph Wendt
Teufel mit Schwimmhäuten an den Füßen, Wassernixen mit doppelten Fischschwänzen, Menschen, die auf Fischen reiten – es sind verwirrende Bilder. Dass diese groß und bunt auf die Innenwände einer Kirche gemalt wurden, macht sie nicht verständlicher. Kaum ein anderes Kunstwerk Südtirols ist bis heute noch immer so geheimnisvoll in seiner Bedeutung wie die rund tausend Jahre alte Freskenmalerei in der kleinen Kirche St. Jakob in Kastellaz am Rand des berühmten Weindorfes Tramin an der Südtiroler Weinstraße. Tramin und Umland sind zu allen Jahreszeiten schön, am schönsten aber im Frühjahr, wenn rosafarbener Schaum über der Landschaft zu liegen scheint vom millionenfachen Blühen der Apfelbäume am Rande oder zwischen den Weinbergen.
Mildes Klima
Von Sigmundskron der Etsch entlang bis zur Salurner Klaus’, der Sprachgrenze zwischen dem Deutschen und Italienischen, zeigt Südtirol sich an der Weinstraße, die sich auf den Terrassen über dem Etschtal hinzieht, von seiner südlichsten Seite. Das Klima ist mild, die Pflanzenwelt beschert Arten, die man erst viel weiter südlich erwartet: Palmen und Ölbäume, schwarze Zypressen, Feigen, Lorbeer, Edelkastanien und Wein, unendlich viel Wein. 650 000 Hektoliter werden hier jährlich erzeugt. Viel Wissenswertes über den Weinbau in Südtirol, seine Geschichte und seine heutige Bedeutung erfährt man bei einem Besuch im Weinbaumuseum in Kaltern oder in einer der privaten oder genossenschaftlichen Weinkellereien. Auch in der Bauweise zeigt sich südländischer Einfluss. Doppelbogenfenster, gemeißelte Torbögen, Freitreppen und Loggien, Erker, Balkone und Türme prägen das Gesicht der oft stattlichen Dörfer entlang der 40 Kilometer langen Weinstraße. Die sieben Gemeinden – Eppan, Kaltern, Tramin, Kurtatsch, Margreid, Kurtinig und Salurn – bestehen oft aus zahlreichen Orten und Fraktionen, von denen manche zu weithin bekannten Weinorten zählen.
Zwischen Schloss Sigmundskron, der größten Burganlage Tirols, und Salurn mit seiner düster drohenden Ruine der Haderburg vor den Felsen, eingerahmt von der Etsch auf der einen und dem Mendelgebirge auf der anderen Seite, beginnt das Frühjahr früher, kommt stürmischer und dauert länger als sonst in Tirol.
Dom auf dem Lande
Eppan ist die größte Gemeinde an der Weinstraße. St. Pauls, das kleine Kirchdorf mit dem weithin sichtbaren „Dom auf dem Lande“, gehört ebenso dazu wie Missian, Girlan, Perdonig oder St. Michael. Das sind Namen, die das Herz des Weinfreundes höher schlagen lassen. Das gilt umso mehr, als inzwischen der Erfolg der Südtiroler Winzer bei der Qualitätsverbesserung unübersehbar ist. Südtiroler Weine sind nicht mehr jene billigen Massenprodukte, deren bekanntestem Erzeugnis, dem „Kalterer See“, man gerne abfällig nachsagte, der See selber müsse bald leer geschöpft und in Flaschen abgefüllt sein.
Tramin: zünftige Weinprobe
Tramin: zünftige Weinprobe
Der Kalterer See, der größte Alpensee Tirols zwischen Kaltern und Tramin, ist das landschaftliche Herzstück dieses Weinlandes. Jetzt im Frühjahr lächelt dieser im Sommer wärmste Badesee der Alpen zwar auch, doch noch lockt er nicht zum Baden, allenfalls zu einer Bootsfahrt und anschließend zu einer Wanderung zu der den See auf einer Höhe überragenden romantischen Ruine der Leuchtenburg. Der Boden unter Eichen und Edelkastanien zur Ruine hinauf ist bedeckt mit den blauen Blütensternen der Leberblümchen und den pelzigen Glokken der Küchenschellen. Blühende Seidelbastbüsche verströmen betäubenden Duft.
Kaltern an der Weinstraße
Ungeachtet seines berühmten Traminers ist nicht Tramin, sondern Kaltern der bekannteste und meist besuchte Ort an der Weinstraße. Dicht stehen an der Hauptstraße die behäbig wirkenden Winzerhäuser. In den Vorgärten öffnen sich weiße Sternmagnolien, und über dunklen Zypressen und Zedern ranken und leuchten die goldgelben Blüten der ersten Kletterrosen. Eine durchgehende Front von Laubenhäusern säumt den Hauptplatz, vor dem barocken Rathaus plätschert ein Brunnen. Kostbare alte schmiedeeiserne Wirtshausschilder laden in dämmrig-kühle Gasthausgewölbe zu Überetscher Spezialitäten: Tiroler Speck oder Gselchtes, Kaminwurzen, Gerstensuppe oder Speckknödel mit Kraut – und Wein. Doch die Südtiroler haben feste Regeln für den Weingenuss: Nur vormittags gibt es Weißwein, nachmittags und abends trinken sie Roten. Der Weiße sei am Abend zu anregend, sagen sie. Wenn eine Südtirolerin ihrem Ehemann am Abend einen Schoppen Weißen vorsetzt, weiß er, was das bedeutet. Christoph Wendt
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