ArchivDeutsches Ärzteblatt15/2002zu Aktien: Geheizt wird immer

VARIA: Schlusspunkt

zu Aktien: Geheizt wird immer

Dtsch Arztebl 2002; 99(15): [100]

Rombach, Reinhold

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LNSLNS Heiße Tipps sind out. Equity Stories hingegen schwer in. Selbst Leute, die noch relativ unerfahren auf dem glatten Parkett des Börsendschungels sind, fallen mittlerweile nicht mehr ohne weiteres auf platte Sprüche rein, wie etwa: „Fundressing musst du unbedingt kaufen, hat mir – und nur mir – mein Anlageberater als hundertprozentige Hundertprozentchance empfohlen.“
Nein, wer so richtig beeindruckt werden will, dem muss der Experte schon mit einer runden und schlüssigen Geschichte kommen. Die Equity Story hat aus einem gesunden Mix aus Solidität und Sachverstand zu bestehen und muss dennoch so einfach in der Schlussfolgerung sein, dass der Anleger wie von selbst auf den Gedanken kommt, diesen Wert und keinen anderen dringendst kaufen zu müssen, bevor die Meute losschlägt.
Das Problem: Schon seit geraumer Zeit ist das mit der Equity Story auch so eine Sache. In vielen Fällen folgte dem schönen und sehr verständigen Schein der harte Aufprall der Realitätswahrnehmung. EMTV und die vielen aufregenden Zukäufe (Formel Eins, Muppet Show) stehen für eine krasse Diskrepanz zwischen Dichtung und Wahrheit, das gilt unter anderem auch für die Herren Manfred Krug und Ron Sommer in Sachen Telekom (tolles Wachstumsunternehmen und Dividendenkontinuität), den Mobilcom-Chef Schmid (UMTS), DaimlerChrysler (Schwäbisches Unternehmen erobert die Welt) und so fort.
Nicht immer bloß lästern, selber eine stimmige Equity Story erzählen, könnten Sie jetzt einwenden. Durchaus mit Fug und Recht.
Meine Geschichte handelt von der Techem AG. Wer jetzt ein aufregendes Wirtschaftsabenteuer erwartet, den muss ich aber sofort enttäuschen. Denn vergleichsweise langweilig ist das Geschäft der Techem AG, die Gesellschaft bietet Systemtechnik an, die den Verbrauch von Heizwärme und Wasser in Gebäuden umfasst.
Interessant ist aber doch, dass das in Frankfurt (1952) gegründete Traditionsunternehmen in Deutschland bereits einen Marktanteil von fast einem Drittel erobert hat und auch forsch weiterwächst. Spannender sind aber die Expansionschancen in Europa. Die bevorstehende Umsetzung einer EU-Richtlinie, die vorschreibt, dass in allen Haushalten die Erfassung von Heizenergie und Wasser verbrauchsabhängig zu erfolgen hat, könnte Techem gewaltig auf die Beine helfen. Bei diesem Potenzial scheint mir die Aktie (Wertpapierkenn-Nummer 547160) mit einem Kurs um 17 Euro ziemlich attraktiv bewertet.
Das Spannende an einer guten Aktienidee ist meiner Meinung nach nicht so sehr die Idee selbst, sondern der Zyklus, wann mehr und mehr Anleger darauf abfahren. Ob sich hinter der Techem AG wirklich eine gute Equity Story verbirgt, wird allerdings die Zeit entscheiden. Gut Ding will sowieso Weile haben.
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