ArchivDeutsches Ärzteblatt15/2002Aut-idem-Regelung: Aut idiota

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Aut-idem-Regelung: Aut idiota

Abele, Dierk

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Zeichnung: Ralf Brunner
Zeichnung: Ralf Brunner
Wenn das kein Lehrstück ist! Das absurde Theater um die inzwischen Gesetz gewordene Aut-idem-Regelung ist an seinem Höhepunkt angelangt, und niemand weiß, welches Stück gespielt wird. Die Apotheker sollen und dürfen, müssen aber nicht, und wüssten, selbst wenn sie wollten, nicht einmal, was sie dürften. Die Ärzte sollen wegkreuzen, was zuvor angekreuzt wurde, oder stempeln, wenn sie nicht kreuzen mögen, oder auf neue Formulare warten, auf denen sie wieder kreuzen könnten. Die Patienten und die Versicherten sollen nur merken, dass alles so bleibt, bloß besser und billiger. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) und ärztliche Verbände raten vorerst zum Gesetzesboykott, und an der Basis in den Praxen weiß sowieso niemand was.
So läuft es also, wenn versucht wird, unsinnigen und unpraktikablen Gesetzen argumentativ ein wenig ärztlichen Sachverstand einzuhauchen, damit der Schaden begrenzt bleibt. Genau dies haben KBV und Verbände in den letzten Monaten versucht, nur haben diese lobenswerten Anstrengungen nicht gefruchtet, sie haben bei aller Mühe seit Jahren schon nicht mehr gefruchtet und nur die offene Ankündigung der Abschaffung der ärztlichen Selbstverwaltung zur Folge gehabt.
Daher der Rat: Beim nächsten Mal nicht gegen Gesetze opponieren, sondern befolgen! Alle Ampeln auf Grün stellen und brav sein. Endlich mal nur das tun, was die Gesundheitspolitiker wollen! Das gilt zwar als unärztlich und bedeutet eine schwere Durststrecke für die Patienten, aber es wäre ungleich wirksamer. Es sind die Versicherten, die mehrheitlich die Berliner Regierung gewählt haben, nur sie können sie abwählen.
Apropos Ampeln: Wenn man den Verkehr in einer Stadt lahm legen will, kann man alle Ampeln auf Rot stellen. Wesentlich rascher geht es, wenn alle grün leuchten! Dr. med. Dierk Abele
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