POLITIK

Nachgefragt

Dtsch Arztebl 2002; 99(15): A-994 / B-824 / C-772

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Dr. med. Manfred Richter- Reichhelm, Vorsitzender der Kassenärztlichen Bundesvereinigung. Foto: Georg J. Lopata
Dr. med. Manfred Richter- Reichhelm, Vorsitzender der Kassenärztlichen Bundesvereinigung. Foto: Georg J. Lopata
DÄ: Was ist zu tun, damit sich die Arbeit auch für niedergelassene Ärzte des unteren Einkommensdrittels wieder lohnt?

Richter-Reichhelm: Der Hauptgrund für die ungünstige Finanzsituation vieler Praxen besteht darin, dass das System insgesamt unterfinanziert ist. Das wird auch daran deutlich, dass der Anteil der ambulanten Versorgung an den Gesamtausgaben der GKV in der letzten Zeit immer rückläufig gewesen ist.
Die Studie des Zentralinstituts belegt, dass vor allem niedergelassene Ärzte in den neuen Bundesländern zu den schlechter verdienenden gehören. Die Politik ist gefordert, die Kopfpauschalen im Osten an das Westniveau anzunähern. Außerdem müssen sich die KVen überlegen, ob und wie- weit sie die nicht mehr besetzten Praxen durch Umsatzgarantien attraktiver machen können. Wir haben deshalb auch an die Krankenkassen appelliert, dass sie hier mit ins Boot kommen und mit der Ärzteschaft gemeinsam nach Lösungen suchen.

DÄ: Wie können Ärzte, deren Nettoeinkommen sich im unteren Drittel bewegt, ihre Situation verbessern?

Richter-Reichhelm: Der Rat, den man den Kollegen unter den gegenwärtigen Bedingungen geben muss, ist: Schließt Euch zusammen. Sucht die Kooperation um Kosten für Mieten und Personal so gering wie möglich zu halten.

DÄ: Wie werden sich mittelfristig die Einkommensaussichten für niedergelassene Ärzte auf die Sicherstellung der wohnortnahen ärztlichen Versorgung auswirken?

Richter-Reichhelm: Tendenziell müssen wir in mittlerer Zukunft einen Ärztemangel befürchten. Die Ursachen hierfür sind vielfältig und liegen nicht nur in der mangelnden wirtschaftlichen Attraktivität des Arztberufs begründet. Auch die ständigen Anfeindungen in den Medien tragen dazu bei, dass sich viele junge Menschen nicht mehr für das Studium der Medizin motivieren können. Außerdem haben wir in den Krankenhäusern und im ambulanten Bereich eine überbordende Bürokratie. Die eigentliche ärztliche Tätigkeit am Patienten ist weiter in den Hintergrund getreten. Auch das trägt nicht dazu bei, dass man noch Spaß hat, diesen Beruf zu erlernen.
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