SEITE EINS

Kirchen: Absage an PID

Dtsch Arztebl 2002; 99(16): A-1049 / B-873 / C-817

Klinkhammer, Gisela

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Die Vertreter der beiden großen christlichen Kirchen in Deutschland sind sich einig: In einer Stellungnahme anlässlich der „Woche für das Leben“ betonen Präses Manfred Kock und Kardinal Karl Lehmann, dass für die Kirchen „die Erkenntnis maßgeblich ist, dass menschliches Leben mit der Befruchtung von Ei- und Samenzelle beginnt. Der Mensch entwickelt sich von diesem Zeitpunkt an nicht mehr zum Menschen, sondern als Mensch.“
Folglich lehnen sie auch die „Vernutzung menschlicher Embryonen, wie sie bei der embryonalen Stammzellforschung geschieht, aus christlicher Sicht entschieden ab, selbst wenn sie zugunsten der Heilung anderer Menschen angestrebt wird.“ Denn die Gewinnung menschlicher embryonaler Stammzellen ist, wie die Kirchen betonen, nur durch die Vernichtung von Embryonen möglich. Die Präimplantationsdiagnostik (PID) stößt ebenfalls auf scharfe Kritik. Im Gegensatz zur Pränataldiagnostik diene die Präimplantationsdiagnostik keinerlei therapeutischen Zwecken, sondern sei allein auf die Selektion von menschlichem Leben ausgerichtet. Einen Anspruch auf ein Kind, gar auf ein gesundes Kind, gebe es nicht.
Die Kirchen wollen es jedoch nicht bei dieser Stellungnahme belassen, sie wollen auch auf die Politik einwirken. Sie bedauern den Beschluss des Bundestages zum Import embryonaler Stammzelllinien und hoffen, dass die strikte Begrenzung des Imports embryonaler Stammzellen im Verlauf des Gesetzgebungsverfahrens nicht aufgeweicht werde. Der Beschluss des Bundestages müsse so umgesetzt werden, „dass das grundsätzliche Nein zum Import und der Koppelung der ausnahmsweisen Zulassung an enge Voraussetzungen auch deutlich wird“, so Kock. In Bezug auf die PID begrüßen die Kirchen das „Votum der Enquete-Kommission und hoffen, dass der Bundestag diesem Votum folgen wird“.
Ob die Kirchen tatsächlich Einfluss auf politische Entscheidungen nehmen werden, bleibt abzuwarten. Die ökumenische „Woche für das Leben“, auf der sie gemeinsam ihre Standpunkte vertreten, ist jedenfalls ein Beitrag zur Debatte über medizinethische Themen, der nicht überhört werden sollte. Gisela Klinkhammer
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema