ArchivDeutsches Ärzteblatt16/2002Psychosoziale Versorgung: Sorge um Finanzierung

POLITIK

Psychosoziale Versorgung: Sorge um Finanzierung

Dtsch Arztebl 2002; 99(16): A-1060 / B-882 / C-826

Richter, Eva A.

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LNSLNS Kritik an der Kostenermittlung: Die Stichprobe ausgewählter Krankenhäuser ist nicht repräsentativ.

Die psychosoziale Versorgung im Akutkrankenhaus ist nach Ansicht der Teilnehmer des Runden Tisches psychosozialer Fachgesellschaften im Akutkrankenhaus nach Einführung der DRGs (Diagnosis related Groups) gefährdet. In einer Resolution fordert die vor einem Jahr gegründete Initiative das Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium, die Deutsche Krankenhausgesellschaft und das Deutsche Institut für Medizinische Dokumentation und Information auf, den Stellenwert psychosozialer Versorgung zu definieren und psychosoziale Komplikationen bei der Ermittlung des Gesamtschweregrades angemessen zu gewichten. Die Resolution wird inzwischen von etwa 80 Fachgesellschaften sowie Berufs- und Patientenverbänden unterstützt.
Bisher unberücksichtigt
„Leider wird in den derzeitigen Diskussionen zur neuen Krankenhausfinanzierung ab 2003/2004 die psychosoziale Versorgung im Akutkrankenhaus nicht ausreichend berücksichtigt und somit aus der Finanzierung herausgedrängt“, erläutert Dr. rer. nat. Oliver Krauß, Koordinator der Initiative. Der Psychologe am Institut für Arbeits- und Sozialmedizin der Universität Leipzig fordert, dass die psychosozialen Nebendiagnosen in der akutmedizinischen Behandlung zumindest grundsätzlich als behandlungsbedürftig und schweregradsteigernd anerkannt werden. „Die psychische und soziale Belastung körperlich Erkrankter wird häufig nicht als ökonomisch relevante Komplikation erachtet“, berichtet Prof. Dr. med. Reinhold Schwarz, Leiter der Abteilung Sozialmedizin der Universität Leipzig. Zudem würde die gesetzlich vorgeschriebene Dokumentation der psychosozialen Betreuung so undifferenziert erfolgen, dass die Vergütung nicht angemessen geschätzt werden könne.
Die Bundesregierung beabsichtigt nicht, sich in die Kostenerhebungen durch eine gesetzliche Regelung einzumischen. Dies erklärte der Staatssekretär im Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium, Dr. Klaus Theo Schröder, auf eine Anfrage des CDU/CSU-Abgeordneten Dr. med. Hans Georg Faust, Klinikarzt aus Goslar, im Februar. „Die Bundesregierung geht davon aus, dass die erforderliche psychosoziale Betreuung auch künftig von den Krankenhäusern gewährleistet wird“, betonte Schröder. Für die Entwicklung und Einführung des DRG-Fallpauschalensystems sei die Selbstverwaltung zuständig.
Kalkulation festgelegt
Diese hat sich bereits auf ein Kalkulationsverfahren und damit zunächst auf 600 bis 800 DRGs geeinigt. Bis zum Herbst sollen Relativgewichte für alle Leistungen im Krankenhaus gebildet werden. Dazu übermitteln ausgewählte 260 Krankenhäuser bis zum Juli ihre Ist-Kosten. „Das Feststellungsverfahren wird bei einer Stichprobe von Krankenhäusern durchgeführt, in der nur zu einem verschwindend geringen Teil psychosoziale Leistungen erbracht werden“, bemängelte Krauß. „Somit werden die entsprechenden Kostengewichte nicht realistisch ermittelt.“ Dass qualitätssichernde Maßnahmen im Anschluss an das Feststellungsverfahren Mängel bei der psychosozialen Versorgung im Akutkrankenhaus beheben könnten, hält der Psychologe prinzipiell für möglich. Doch: „Wenn zunächst gute psychosoziale Versorgungseinrichtungen abgebaut und später wieder aufgebaut werden müssen, verliert die Medizin an Glaubwürdigkeit“, meint Krauß. ER
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