ArchivDeutsches Ärzteblatt16/2002Chroniker-Programme: Reha-Einrichtungen einschalten!

POLITIK

Chroniker-Programme: Reha-Einrichtungen einschalten!

Dtsch Arztebl 2002; 99(16): A-1062 / B-884 / C-828

Clade, Harald

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LNSLNS Plädoyer für sektorenübergreifende Vernetzung

Auch die Träger von Vorsorge-Einrichtungen und Einrichtungen der medizinischen Rehabilitation wollen bei der Umsetzung von Disease-Management-Programmen (DMP) mitmischen. Diese im Zuge der Reform des Risiko­struk­tur­aus­gleichs (RSA) zunächst auf vier Krankheitsbilder beschränkten Programme dürften von den Krankenkassen nicht zur Finanzmittelbeschaffung und zur reorganisierten Umverteilung des Risiko­struk­tur­aus­gleich und vordergründig für Marketingzwecke missbraucht werden. Die Einrichtungen der Medizinischen Rehabilitation wollen ihre Erfahrungen und das Know-how in der Rehabilitation bei der Behandlung chronisch Kranker einbringen. So der Tenor der Forderungen von Experten der medizinischen Rehabilitation bei einer Tagung der Gesellschaft für Versicherungswissenschaft und -gestaltung (GVG) und der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Rehabilitation, Berlin, am 11. April in Berlin. Bei der Fachtagung wurde darauf hingewiesen, dass der Anteil von chronisch Kranken an der bundesdeutschen Bevölkerung 40 Prozent überschritten habe, und dass nach Analysen des Sachverständigenrates für die Konzertierte Aktion für diese Patientengruppe keine ausreichenden Angebote vorgehalten würden und vor allem bei der Versorgung von Brustkrebserkrankten Versorgungsdefizite bestünden. Dringend müssten die unterversorgten Zielgruppen besser in einer evidenzbasierten Versorgung eingebunden und die bedarfsorientierte Versorgung chronisch Kranker mit möglichst individuellen, zielgerechten und flexiblen Leistungsangeboten gewährleistet werden.
Der Bundesverband Deutscher Privatkrankenanstalten (BDPK), Berlin, warnt davor, die DMP auf den ambulanten medizinischen Sektor zu begrenzen. Vielmehr müssten nach Maßgabe der Reha-Ziele in SGB V und IX die Versorgungsprogramme nach § 137 e SGB V im Koordinierungsausschuss zwischen den Leistungserbringern im ambulanten, stationären und Rehabilitationsbereich sowie der Pflege abgestimmt werden. Prävention, Akutmedizin, medizinische Rehabilitation und indikationsbezogene Nachsorge müssten koordiniert und zu einem einheitlichen Behandlungsprozess formiert werden, sagte BDPK-Hauptgeschäftsführer Georg Westphal, Berlin, dem Deutschen Ärzteblatt. Dabei müsse gewährleistet werden, dass die Schnittstellen, der Leistungsumfang, die Qualitätskriterien sowie die anteilige Vergütung vertraglich geregelt werden. Keinesfalls dürften die Einrichtungen der Akutversorgung im Krankenhaus und der medizinischen Rehabilitation von den Versorgungsprogrammen abgeschnitten werden. Im Hinblick auf die kurze Zeit der Vorbereitung und Einführung (Mitte 2002) müssten die Behandlungsprogramme wie ein „lernendes System“ weiterentwickelt werden.
Primär- und Sekundärprävention
Für den Behandlungserfolg sei es entscheidend, dass die Versorgung chronischer Krankheiten möglichst früh einsetzt und die medizinische Rehabilitation eingebunden wird. Die Behandlungsprogramme müssten kostenträgerübergreifend eingefügt werden und müssten den Vereinbarungen nach § 137 b SGB V und den Empfehlungen nach den §§ 13 und 20 SGB IX entsprechen. Eine Optimierung der Versorgung von chronisch Kranken sei ohne den Einsatz einer indikationsspezifischen Rehabilitation mit dem Ziel, die Krankheitsfolgen zu beseitigen, unter Anwendung verhaltenstherapeutischer Maßnahmen nicht denkbar. Hohen Stellenwert müssten im Rahmen der Programme die Primär- und Sekundärprävention erhalten, zum Beispiel durch die Förderung oder Änderung des Verhaltens und des Lebensstils des noch nicht Erkrankten. Dr. rer. pol. Harald Clade
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